Kritische Bibliothek
Öffentliche Bibliotheken in Berlin – Antwort von Kultursenator Lederer

Der Berliner Kultursenator hat nach der auch auf mehreren öffentlichen Versammlungen geäußerten Kritik an seiner Untätigkeit im Bereich der öffentlichen Bibliotheken endlich auf den letzten Brief des AK Berliner Stadtbibliotheken (s.u.) geantwortet. Vorformuliert wiederum von der Sachbearbeiterin Frau Bierend, aber dieses Mal von ihm persönlich unterzeichnet und wohl auch etwas genauer durchgesehen und mitformuliert als beim letzten Mal. Der Brief enthält zwar wiederum  wenig Konkretes, schon gar keine Zusagen zur Überprüfung der Kosten-Leistungsrechnung, zur Aufstellung eines neuen Bibliotheksentwicklungsplans, Sonder- und Sanierungsprogrammen des Senats für die  Bezirksbibliotheken, für die Abschaffung der „Hugendubelisierung“ der ZLB oder „EKZettisierung der meisten anderen öffentlichen Bibliotheken in Berlin.
Hier sind die Links zu dem neuen Brief der Senatskulturverwaltung:
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Immerhin der Ton des Briefes ist persönlicher und verbindlicher als beim letzten Mal, bemüht  um Zuordnung und genaueres Kennenlernen der Probleme vor Ort. Der Kultursenator startet eine Besuchstour durch die Bezirksbibliotheken und bekräftigt, dass er „Attraktive Bibliotheken für die Metropole Berlin“ möchte. Er will das jahrelange „Hickhack“ um Zuständigkeiten des Senats und der Bezirke möglichst irgendwie beenden, betont aber allzu nachdrücklich, dass die Bezirke für die Erwerbungsetats und das Personal der öffentlichen Bibliotheken zuständig sind, ohne zu erwähnen, dass die Bezirke ganz am Tropf der strangulierenden Senatszuweisungen hängen, berechnet nach perversen KLG-Schlüsseln und den periodisch wiederholten Stellenkürzungen für alle bürgernahen Servicebereiche.

Das Konfliktfeld Zentral- und Landesbibliothek wird besonders wolkig umschrieben, der Kultursenator verweist auf unterschiedliche Sichtweisen und will „die besten Lösungen in einem fairen und demokratischen Prozess“ herausfiltern. Er fordert den AK ausdrücklich auf, sich „in geeigneter Form einzubringen und konkrete Lösungsvorschläge zu benennen“. Wir werden uns bemühen, schon am nächsten
Donnerstag, d. 26.10.2017, 19.00 Uhr, in der Galerie Terzo Mondo, Grolmanstraße 28 (südlich S-Bhf Savignyplatz), bei dem Vortrag von Peter Delin zur „Hugendubelisierung“ der Zentral- und Landesbibliothek Berlin.
Wir sind gespannt, wie weit die bereits angekündigten Abgesandten der Senatskulturverwaltung und der ZLB-Leitung auf dieser Veranstaltung ihrerseits bereit und in der Lage sein werden, andere Lösungswege als die bisher von ihnen – gegen den Willen der Mehrheit der Beschäftigten – beschrittenen Wege ins Auge zu fassen.
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Am 22.4.2017 hat sich der Arbeitskreis Berliner Stadtbibliotheken mit einem Brief an den
seit fast einem Jahr in der rot-rot-grünen Koalition amtierenden Kultursenator Dr. Klaus Lederer gewandt, um ihn auf die unbefriedigende Situation der Berliner öffentlichen Bibliotheken hinzuweisen. und auf die dringenden Aufgaben, die sich insbesondere auf landespolitischer Ebene stellen, um die Rahmenbedingungen der Bezirksbibliotheken und der Zentral- und Landesbibliothek zu verbessern und sie wirklich – wie in diversen Partei- und Senatsprogrammen verkündet – zukunftsfähig zu machen.
Am 6.6.2017 erhielten die Mitglieder des Arbeitskreises eine Antwort aus der Senatsverwaltung, mit der sie absolut nicht zufrieden sind.
Daraufhin hat der Arbeitskreis dem Senator am 21.8.2017 erneut geschrieben, seine Kritikpunkte untermauert und angekündigt, dass er jetzt mit seinem Anliegen in die Öffentlichkeit geht, um weitere Bündnispartner – auch bei den Medien, politisch engagierten Gruppen und bibliotheksinteressierten BürgerInnen  – zu gewinnen, für bessere Arbeitsbedingungen und Wirkungsmöglichkeiten der Berliner öffentlichen Bibliotheken.

Die vorherigen Teile unseres Schriftwechsels mit dem Kultursenator finden Sie hier:
LedererBrief,
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Der Arbeitskreis hofft auf eine  möglichst breite Unterstützung seiner Initiative, durch Kommentare in diesem Blog, durch Meinungsäußerungen und Diskussionsbeiträge auf den verschiedensten medialen, bürgerschaftlichen und politischen Ebenen. und durch Mitarbeit in dem  AK.
Das nächste Treffen des Arbeitskreises Berliner Stadtbibliotheken findet am 18.9.2017, 17.30 Uhr, in der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek, Grunewaldstraße 3, 12165 Berlin (im ‚Schloss‘, Rathaus Steglitz) statt. Bitte kündigen Sie Ihre Teilnahme – wenn möglich – vorher an, Kontakt über diesen Blog oder per Mail: frauke.mahrtthomsen@gmail.com..

Wertvolle Analysen zur Lage der Berliner Bezirksbibliotheken gibt es auch im Webblog für den Kiez Klausener Platz in Charlottenburg:

http://blog.klausenerplatz-kiez.de/archive/2017/08/14/wie_soll_es_mit_den_bezirksbib
http://blog.klausenerplatz-kiez.de/archive/2017/08/30/wie_soll_es_mit_den_bezirksbib

Michael Roeder vom Arbeitskreis Berliner Stadtbibliotheken nimmt dort unter Hinzuziehung von Vergleichszahlen aus dem  gerade erschienenen Arbeitsbericht der Berliner  öffentlichen Bibliotheken und repräsentativen Meinungsumfragen die Bibliothekspolitik in seinem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf kritisch unter die Lupe: stimmt es wirklich, dass digitale und Gaming-Angebote die Zukunftsfähigkeit der öffentlichen Bibliotheken garantieren oder erwarten die BenutzerInnen von ihrer Bibliothek nach wie vor in erster Linie einen qualitätsbewusst zusammengestellten und sorgfältig betreuten Buch- und Medienbestand?
Im zweiten Beitrag nimmt Michael kritisch-analytisch die Visionen des Senats für eine „Smart Bücherei“ in der „Smart City“ auseinander.

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