Kritische Bibliothek
20.000 Protestunterschriften für die ZLB-Petition an Stiftungsrat übergeben
Am Montag, dem 13.7.2015,  wurden nach einer Kundgebung auf dem Rosenthaler Platz 20.000  Protest-Unterschriften gegen die Verschlechterung des Medienangebots in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin im
Foyer der Senatskanzlei Kulturelle Angelegenheiten an den ZLB-Stiftungsrat übergeben. Die Abendschau berichtete, sowohl in ihrer Sendung um 18.30 Uhr wie auch ab 21.45 Uhr.,
s.  http://mediathek.rbb-online.de/tv/Abendschau/Protest-gegen-Einfalt-in-Bibliotheken/rbb-Fernsehen/Video?documentId=29541254&topRessort=tv&bcastId=3822076
und siehe den informativen und gut bebilderten Blog Eintrag von OpenPetition:
https://www.openpetition.de/blog/blog/2015/07/14/petitionsuebergabe-in-berlin/
Ab 15 Uhr versammelten sich  einige wenige noch aktive ZLB-KollegInnen (die anderen müssen Repressionen fürchten, wenn sie Kritik an den Beschlüssen des Managements üben), Ex-KollegInnen, BibliotheksbenutzerInnen und  engagierte BürgerInnen und begannen bald, die ausgedruckten Unterschriften-Listen zusammenzukleben, die dann in einer langen Schlange unter wachsamer Beobachtung einer ganzen Reihe von Presse- und Medienvertretern zum Foyer der Senatskanzlei in der Brunnenstraße 188-190 zu tragen. Vorher gab es kurze Ansprachen von den Initiatoren der Petition und Protestaktionen, Eckart Müller und Peter Delin, und als Vertreterin der Bezirks- und Stadtteilbibliotheken, von Frauke Mahrt-Thomsen.
Der stellvertretende Vorsitzende des ZLB-Stiftungsrats, Herr Dr. Konrad Schmidt-Werthern, zugleich seit 2012 der zuständige Referent für alle öffentlichen Bibliotheken in der Senatskanzlei Kulturelle Angelegenheiten, nahm die Unterschriftenlisten entgegen und stellte sich eine Zeitlang den kritischen Fragen der Anwesenden, erklärte aber alles als noch gar nicht endgültig beschlossen, und ansonsten alle Befürchtungen für übertrieben. Den Anwesenden versicherte er großmütig, es wäre ihr gutes Recht zu protestieren, und dem Initiator versprach er auf  jeden Fall eine schriftliche Antwort, aber eine Zusage für eine öffentliche Diskussion mit den BenutzerInnen gab er nicht und Hinweise auf die weitergehenden strukturellen Probleme der Berliner öffentlichen Bibliotheken wurden von ihm schnell beiseite geschoben. Mit scheinbar umgänglichem Verhalten werden die BürgerInnen vertröstet, während man die Umstrukturierungs-Prozesse in der ZLB massiv vorantreibt,. Wer intern nicht mitzieht, wird von der Direktion zur Räson gerufen oder sucht sich selber ein anderes Tätigkeitsfeld. So wird die für die Qualität der Dienstleistungen und die Zufriedenheit der BibliotheksbenutzerInnen entscheidend wichtige Motivation der MitarbeitrInnen gegen die Wand gefahren. Zum Nachlesen hier noch einmal der Link zur ZLB-Petition:
https://www.openpetition.de/petition/online/buechervernichten-in-berlin-bibliotheken-werden-kaputt-rationalisiert
und der Redebeitrag von Frauke Mahrt-Thomsen aus der Sicht der Bezirksbibliotheken:

„Liebe Anwesende, liebe Freunde und Freundinnen einer lebendigen Bibliothekskultur in Berlin:

Das, was jetzt der ZLB blüht, wird schon längst mit den Bezirksbibliotheken gemacht!

Seit beinahe zwanzig Jahren werden die bezirklichen Bibliothekssysteme mit einer strangulierenden Kosten-Leistungs-Rechnung (KLR), viel zu geringen
Mittelzuweisungen und periodischen Personalkürzungen in eine widersinnige Konkurrenzsituation gegeneinander gezwungen und unter existentiellen Druck gesetzt
(seit Anfang der neunziger Jahren wurden 2/3 der öffentlichen Bibliotheken in Berlin geschlossen).
Die KLR verlangt in erster Linie, Ausleih- und Umsatzzahlen zu produzieren, ohne Rücksicht auf die Qualität des Bestandes. Nach den r Jahrtausendwende verschärfte
sich der von Verwaltung und Rechnungshof ausgeübte Druck, den Bestandsaufbau per Standingorder vorzunehmen, durch pauschale Bestellungen bei der EKZ
oder gelegentlich auch bei einer lokalen Buchhandlung.

Seit über zehn Jahren kommt die von der Senatskulturverwaltung ausdrücklich begrüßte Praxis der Bestseller-Abonnements dazu, d.h. die von kommerziellen Interessenten ermittelten Listen der bestverkauften Bücher werden Woche für Woche in 2-3 Exemplaren  von einem großen Teil der Bezirksbibliotheken gekauft. Die Spielräume für der FachkollegInnen vor Ort für eigene Kaufentscheidungen betragen schätzungsweise im Durchschnitt nicht mehr als 10%, tendieren stellenweise gegen Null. Es kommt zu einer wachsenden Dominanz der Mailstreamliteratur in den Regalen der Bezirksbibliotheken und aufmerksame LeserInnen berichten mir seit Jahren, dass sie interessante, kritische, historische-politische, anspruchsvolle (Sach-)Literatur immer weniger  in ihren Bezirksibliothek entdecken, wenn es diese Bibliotheken überhaupt noch gibt.

Eine andere negative Auswirkung der KLR sind die bereits seit langem in den Bezirksbibliotheken angewandten Makulierungs-Regeln: jedes 2-3 Jahre nicht ausgeliehene Medium muss ausgesondert werden, der inhaltliche Wert spielt keine Rolle, die Umsatz-Zahlen müssen stimmern. Selbst heimatkundliche Bestände  werde von dieser Büchervernichtungs-Regel nicht ausgenommen,  es sei denn, es gibt wie im Bezirk Wilmersdorf LeserInnen, die vor Ort massiv gegen eine derartige Praxis aufbegehren

Meinen Beitrag möchte ich mit einigen Worten von Ingeborg Bachmann beenden, aus einer Dankesrede, die sie im Jahre 1959 gehalten hat: „Wie der Schriftsteller die anderen zur Wahrheit zu ermutigen versucht durch Darstellung, so ermutigen ihn die anderen, wenn sie ihm, durch Lob und Tadel zu verstehen geben, daß sie die Wahrheit von ihm fordern und in den Stand kommen wollen, wo ihnen die Augen aufgehen.
Die Wahrheit nämlich ist dem Menschen zumutbar.“
Ingeborg Bachmann äußert sich bewusst zu der gesellschaftspolitischen Verantwortung des Schriftstellers.

Ich möchte ergänzen, auch die Bibliotheksbeschäftigten sind sich oder sollten sich ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung bewusst sein, für die Qualität ihrer Bestände, für die Wahrung des kulturellen Erbes und für eine Bibliotheksarbeit, die an den Interessen der Menschen in ihrem Einzugsbereich ausgerichtet ist.

Das Gleiche fordere ich auch von denen, die für die Bibliothekspolitik in dieser Stadt Verantwortung tragen.“

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Stiftungsrat der ZLB beschließt: Standing Order und Büchervernichtung: Ein aktueller Termin zur ZLB: Montag, 2.3.2015, 14 Uhr, R. 376, Abgeordnetenhaus von Berlin: Sitzung des Kulturaussschuisses, Hauptthema: ZLB-Bestandspolitik, anwesend neben ZLB-Vorstand Volker Heller als ExpertInnen: Hella Schwemer-Martienßen/Hamburg, der Personalratsvorsitzende der ZLB und der Verfasser des kritischen Gutachtens für den Personalrat, Peter Delin………………………………………………………………………………………

Der Stiftungsrat und Vorstand der ZLB hat auf seiner letzten Sitzung beschlossen, die Erwerbungspolitik der ZLB, der größten öffentlichen Bibliothek  weitgehend auf Standing-Order-Lieferungen mit vielen Doppelstücken von der inzwischen privat geführten EKZ (Einkaufszentrale für öffentliche Bibliotheken) umzustellen und außerdem zu verstärkten Makulierungen überzugehen, sobald Medien zwei oder drei Jahre nicht ausgeliehen wurden. Das langjährig  erworbene Wissen und die Erfahrungen der hauseigenen LektorInnen, insbesondere ihre Kenntnis der tatsächlich vorhandenen Benutzerwünsche in der 3,5- Millionen-Stadt Berlin werden außer Kraft gesetzt zugunsten eines nivellierten Mainstream-Angebots, das im fernen Reutlingen zusammengestellt wird.
Dagegen regt sich wachsender Protest. Bereits mehr als 11.000 BerlinerInnen haben die Open Petition des Kreuzberger Lehrers Echhard Müller unterschrieben:
Absolut geheime Informationen aus dem Innersten der Senatsverwaltung besagen, dass die Ausschreibungs-unterlagen für den Wettbewerb zur Erweiterung der Zentral- und Landesbibliothek Berlin auf dem Gelände der Amerika-Gedenkbibliothek fast fertig sind. Man ist sich einig, das westliche Teilstück der Blücherstraße in die Erweiterungsmöglichkeiten einzubeziehen, dessen Auflösung ist beschlossene Sache.
Vor 25 Jahren waren wir schon einmal so weit, damals gab es eine fertige Ausbauplanung für die AGB  am Blücherplatz. Die Politik setzte andere Prioritäten, der Neubau des Jüdischen Museums hatte Vorrang. Das war damals nachvollziehbar, völlig unnötig ist aber die siebenjährige Verzögerung wegen der Lieblingsidee des Ex-Bürgermeisters, die Bibliothek unbedingt auf die letzte Ecke des Tempelhofer Feldes setzen zu wollen. Das Volk hat anders entschieden.
—————————————————————————————————————————————————————-Die meisten wissen es längst: Beim Volksentscheid am 25.5.2014 haben sich die Berliner BürgerInnen mit großer Mehrheit gegen jede Bebauung des Tempelhofer Feldes entschieden!Damit auch gegen die von der Senatsverwaltung favorisierten, mehr oder weniger gigantischen Entwürfe für einen Neubau auf der Südwestecke des Feldes. Bei der Suche nach einem neuen Standort oder Konzept für die ZLB geht also alles zurück auf Anfang. Die restliche Prüfung der Standorte für einen Neubau, die bereits  2007-08 begonnen und dann abrupt abgebrochen wurde, als der Regierende Bürgermeister seine einsame Entscheidung für das Tempelhofer Feld verkündete, könnte wieder aufgenommen werden, oder: man könnte sich an die vom Senat selbst in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie erinnern für die Erweiterung des Standortes AGB am Blücherplatz. Die Studie eines renommeirten Planungsbüros hat einwandfrei ergeben: der Platz um die AGB herum reicht aus, auch für die ursprünglich geplante Maximallösung von 67.000 m², ganz bequem und locker aber für die mittlerweile favorisierte Größenordnung von ca. 52.000 m².
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Auf dem 103. Bibliothekstag in Bremen wurden die Planungen für eine neue Zentral- und Landesbibliothek in Berlin mehrfach zum Thema in verschiedenen Veranstaltungen, jetzt aber vor gänzlich neuem Hintergrund. Denn bei dem Volksentscheid am 25.5.14 hatte sich die Mehrheit der BerlinerInnen eindeutig gegen jede Bebauung des Tempelhofer Feldes entschieden und damit auch gegen eine neue ZLB auf dem Südwestzipfel dieses Geländes. Trotzdem erbrachten die von offizieller Seite veranstalteten Präsentations- und Diskussionsrunden einige nützliche Ergebnisse, so z.B. die allseits (auch von Vertretern der ZLB!) begrüßte Feststellung, dass es bei der Planung für eine neue Zentralbibliothek in einer Metropole selbstverständlich sein sollte, die Optimierung des gesamten städtischen Bibliothekssystems in die Planungen einzubeziehen (Bsp. Stuttgart, Seatte) .
Die Öffentliche Arbeitssitzung des AK Kritische Bibliothek mit Thema Bauen auf dem Tempelhofer Feld oder: Die Suche nach dem idealen Standort für eine neue Zentral- und Landesbibliothek. am Do., d. 5.6.2014, zog  trotz des breiten Spektrums konkurrierender Angebote noch einer erfreulichen Anzahl interessierter und diskussionsfreudiger TeilnehmerInnen an. Anke Penski präsentierte ihre Masterarbeit: Eine Metropolenbibliothek für Berlin: Bildungspolitische Prestigeobjekt oder moderner Lesetempel als Forum für die Stadtgesellschaft?  Abstract s. Öff.Arb.KriBiblio.BiblTag.2014.  Frauke Mahrt-Thomsen machte ergänzende Anmerkungen zu der Entwicklung der ZLB-Diskussion seit dem Frühjahr 2014 und präsentierte entsprechende Medienpublikationen und Stellungnahmen. Hier ist das Protokoll der Bremer Veranstaltung des AK Kritische Bibliothek: Protokoll.Bremen.5.6.2014.
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Eine Anmerkung vorab zu dem folgenden Beitrag: Die Darstellung der bisherigen Kostenschätzungen einschließlich der Stellungnahme der Senatsbaudirektorin Lüscher zu diesem Thema war auf dem Bibliothekstag in Bremen besonders umstritten. Deswegen an dieser Stelle nur der Hinweis, dass darauf in dem angekündigten Bericht über die öffentliche Arbeitssitzung des AK Kritische Bibliothek in Bremen noch genauer eingegangen wird.Kostenexplosion auf dem Tempelhofer Feld. Jetzt lässt es sich nicht länger verheimlichen: der ZLB-Neubau auf dem Tempelhofer Feld würde deutlich mehr kosten als bisher angegeben. Die Senatsbaudirektorin Lüscher hat dem für Finanzen zuständigen Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses Ende Februar 2014 mitgeteilt, dass für den bisherigen Kostenrahmen von 270 Millionen Euro eine Toleranz von „plus/minus 40 Prozent“ gilt,  also im Zweifelsfall könnte der Bau im Jahr 2021 ungefähr 110 Millionen Euro teurer sein, die Gesamtkosten also ca. 380 Millionen Euro betragen.  „Das ist ein Grund mehr, auf die Wowereit-Gedenkbibliothek gänzlich zu verzichten“, sagte die Abgeordnete Clara Herrmann (B90/Grüne).
Währenddessen treibt Stadtentwicklungssenator Michael Müller munter seine Pläne für das Tempelhofer Feld voran. Ende Mai, Anfang Juni will er entscheiden, welcher der beiden Siegerentwürfe des Architektenwettbewerbs den Zuschlag bekommt. Vorher gibt es aber den Volksentscheid gegen jede Bebauung des Tempelhofer Feldesam 25.Mai 2014. Selbst wenn dieser nicht die nötige Stimmenzahl erhalten sollte, geraten die Neubaupläne auf dem Tempelhofer Feld ins Wanken.  Sogar der Koalitionspartner geht auf Distanz. „Für uns ist der ZLB-Neubau an diesem Standort nicht in Stein gemeißelt. Er steht von Anfang an unter dem Vorbehalt seiner Finanzierbarkeit“, heitß es aus Kreisen der CDU.
Die Präsidentin der Architektenkammer, Christine Edmaier, schätzt die Baukosten auf 300 bis 400 Millionen Euro. Sie plädiert dafür, über Alternativen nachzudenken. In Betracht komme das bestehende Flughafengebäude oder ein Erweiterungsbau am Standort der Amerika-Gedenkbibliothek am Blücherplatz, wie bereits vor Jahren geplant. „Es sei sowieso nicht klar, was aus dem AGB-Standort werden soll, wenn der ZLB-Neubau stehe.“ Dem kann man nur beipflichten.
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Der Bürgerinitiative 100% Tempelhofer Feld kann man wiederum nur gratulieren! Bis zum Stichtag 13.Januar 2014 hatte sie  233.000 Unterschriften zur Unterstützung des Volksbegehrens gesammelt, davon wurden 185.000 Stimmen als gültig anerkannt  und das erforderliche Quorum von 174.000  damit deutlich übertroffen.
Jetzt ist Zeit für ein erneutes Nachdenken, auch über die Planungen für die Zentral- und Landesbibliothek auf dem Südwestzipfel des Feldes, und Zeit für die Mobilisierung der Bürgerinnen und Bürger  für den Volksentscheid gegen jegliche Bebauung des ehemaligen Flugfeldes und zum großen Teil auch NS-Zwangsarbeiterlagers. Der Senat hat zugestimmt, dass der Volksentscheid am 25.Mai stattfindet, zusammen mit der Europawahl. Damit könnte sich auch ein neuer Spielraum eröffnen für die Suche nach einem wesentlich zentraleren Standort für die neue ZLB oder für eine Lösung, für die man sich bereits vor 25 Jahren entschieden hatte: für den Ausbau des Standortes AGB am Blücherplatz. Eine Machbarkeitsstudie für diese .Variante, die auch den gewachsenen Platzbedarf  für die vereinigten  Zentralbibliotheken beider Stadthälften und neue Aufgabenstellungen berücksichtigt, ist seit 2008 vorhanden.
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Der Diplom-Volkswirt Rolf Stein kommt in seinem erst kürzlich in überarbeiteter Fassung veröffentlichten Beitrag  zum Thema Stadt – Bibliothek – Urbanität.  Die Stadt Berlin, die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) und ihre Standorte (in: Raumplanung, 170, September/Oktober 2013, S.57-62, Kurzfassung s. http://www.stadt-und-region.de/stein/forschung.htm)  zu dem Resümée: „Der Berliner Senat plant, einen Neubau für die ZLB in einem abseits der zentralen Räume gelegenen Winkel des Tempelhofer Feldes errichten zu lassen. Selbst wenn Tempelhof für den ehemaligen Flughafen eine zentrale Lage war – für eine Stadtbibliothek ist dort eher Peripherie. Ein optimaler Bibliotheksstandort müsste die rechte Kombination von Zentralität und Urbanität aufweisen. Gerade wenn die ZLB in Zukunft stärker kommunikative Aufgaben erfüllen soll, ist räumliche Nähe zu zentralen Bereichen der Stadt essenziell. Außerdem würde die vorgesehene Verlagerung der jetzigen ZLB-Standorte aus Berlin-Mitte und Kreuzberg der Innenstadt Impulse entziehen, die in dort gelegenen benachteiligten Quartieren von Bedeutung sind.“
Auch Anke Penski / Studentin der Historischen Urbanistik an der TU Berlin / kommt im Rahmen ihrer Untersuchung:
„Eine Metropolenbibliothek für Berlin:  Bildungspolitisches Prestigeobjekt oder moderner Lesetempel als Forum der Stadtgesellschaft?“  (der vollständige Text ihrer Masterarbeit steht erst zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung) zu dem Schluss, dass wegen der nicht oder nur unzureichend erfolgten Anwendung der Prüfkriterien, die von Bibliotheks-  und Senatsseite eigens für die ZLB-Standortsuche entwickelt worden sind, auf den Standort Tempelhofer Feld, ein Moratorium für den ZLB-Bau dringend angesagt ist. Das Moratorium sollte genutzt werden, um die Standortwahl Tempelhofer Feld noch einmal einer fachlich fundierten Prüfung zu unterziehen.
Deshalb die dringende Aufforderung an alle, denen daran liegt, dass die Zentral- und Landesbibliothek wirklich eine Metropolenbibliothek für alle Bürgerinnen und Bürger im Herzen Berlins wird: Unterstützen Sie aus diesen und anderen Gründen (Kein Bibliotheksbau auf den Resten von Zwangsarbeiter-Lagern!) das Volksbegehren der Initiative 100% Tempelhofer Feld,  geben Sie die Unterschriftenlisten weiter und senden Sie diese rechtzeitig vor dem 13. Januar 2014 an das Kampagnenbüro THF 100, Schillerpromenade 31, 12049 Berlin. Hier ist der Link zu der Webseite der Initiative und dem Ausdruck der Unterschriftenlisten:
http://www.thf100.de/unterschriftenlisten-weitergeben.html
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Masterplan Tempelhofer Feld und das NS-Gedenken auf dem Tempelhofer Feld
Einladung zu einer Podiumsdiskussion auf dem Tempelhofer Feldam Sonntag, 8.9.2013, 16 Uhr,
im Veranstaltungszelt, Zugang Columbiadamm/Lilienthalstraße

(Bus 104 – Friedhöfe Columbiadamm).
 TeilnehmerInnen an der Podiumsdiskussion: Dr. Karin Wagner, Leiterin für Gartendenkmalpflege und Archäologie beim Landesdenkmalamt Berlin, Frauke Mahrt-Thomsen / Arbeitskreis Kritische Bibliothek, Ullrich Steffen / Initiative 100% Tempelhofer Feld und Beate Winzer / Förderverein für ein Gedenken an die Naziverbrechen in und um das Tempelhofer Feld, Moderation: Hans Coppi.Es geht bei der Diskussion um den Masterplan Tempelhofer Feld auch um die bisherigen Planungen für den
ZLB-Neubau und seinen vorgesehenen Standort in der Südwestecke des Feldes, auf den Resten von
NS-Zwangsarbeiter-Baracken.
Ebensowenig wie von Seiten des Senats ist bisher von bibliothekarischer Seite ein Bewusstsein darüber spürbar, dass es sich bei dem Tempelhofer Feld um ein riesiges Zwangsarbeiter-Lager handelte und dass mit dem Gedenken daran verantwortlich umgegangen werden muss. Daher ist es sehr wertvoll, dass die VVN diese Veranstaltung organisert hat, und es wäre sehr schön, wenn viele InteressentInnen und auch viele Bibliotheksbeschäftigte zu dieser Diskussionsrunde kommen..Durch ein kurzfristig genehmigtes Konzert-Event droht diese Veranstaltung nun erheblich gestört zu werden (s. die Informationen von Beate Winzer). Ich schließe mich dem Protest des Fördervereins für ein Gedenken an die NS-Verbrechen in und um das Tempelhofer Feld  gegen die Störung der Veranstaltung an und bitte Sie, diesen Protest zu unterstützen und zu verbreiten.
Frauke Mahrt-Thomsen
—————————————————————————————————————————————————————Brief von Beate Winzer / Förderverein für ein Gedenken an die NS-Verbrechen in und um das Tempelhofer Feld
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bitte Sie um Unterstützung bei einem sehr drängenden Problem. Auf Einladung der VVN/BdA Berlin Hans Coppi nehmen wir als Förderverein am diesjährigen Tag der Mahnung (TdM/ Opfer des Faschismus / OdF) teil. Auf Bitte der VVN haben wir eine Podiumsdiskussion zum Thema „Masterplan und das NS-Gedenken“ organisiert.
Wie Ihnen bekannt ist, soll die ZLB auf dem Südgelände der „kleinen Barackenstadt“ der Weserflug GmbH entstehen. Zudem soll der künstliche See nahe der sog. Lilienthallager der Deutschen Luft Hansa AG am Alten Flughafen gebaut werden. Die weiteren Auswirkungen des Masterplans auf die „große Barackenstadt“ sowie der Bau des islamischen Friedhofs auf die sogn. „Russenlager“ wollen wir diskutieren und Alternativen besprechen.
Die Veranstaltung als solche wurde von vom Geschäftsführer der VVN, Herrn Markus Vervooren, organisiert und wurde im März 2013 von der Grün Berlin GmbH verbindlich bestätigt. Vor 14 Tagen hat Herr Pallgen von der Tempelhofprojekt GmbH nun eine weitere Veranstaltung, ein Konzert-Event der Telecom, auf dem Tempelhofer Feld etwa 500 Meter vom Podium entfernt,  zugelassen. Weder die Tempelhof Projekt GmbH oder die deutsche Telekom sind bislang bereit, das Konzert abzusagen mit Hinsicht auf die ältere Zusage der Grün Berlin GmbH der VVN gegenüber oder wenigstens auf unseren Kompromiss – Vorschlag einzugehen. Unser Vorschlag wäre, dass die Telekom ihr Konzert ab 18 Uhr veranstaltet.
Ich bitte Sie dringend, auf den Dienstherren des Herrn Pallgen und seines Geschäftsführers, den Herrn Steindorff, also Herrn Senator Müller, einzuwirken, dass dieser den Herrn Steindorff anweist, zumindest auf unseren Kompromissvorschlag einzugehen.Desweiteren bitten wir Sie, sich bei der Telekom zu beschweren, dass diese darauf bestehen, am Tag der Mahnung parallel zu dessen Programm auf dem historischen Ort der NS-Zwangsarbeit vor und in der Flugzeugfabrik der NS-Luftwaffe ab 14 Uhr ihr Open- Air -Konzert durchzuführen. Unsere Führungen zum Tag des offenen Denkmals „Unbequeme Denkmale“ sowie das Programm am Tag der Mahnung wären schlicht nicht durchführbar.
Mit freundlichen Grüßen
Beate Winzer
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TAG DER ERINNERUNG UND MAHNUNG
www.tag-der-mahnung.de

Sonntag, 8. September 2013, von 13 bis 19 Uhr
Tempelhofer Feld, Eingang Columbiadamm/Lilienthalstraße, Bus 104 – Friedhöfe Columbiadamm
Diskussionsveranstaltung, 16 Uhr, Veranstaltungszelt:
Masterplan Tempelhofer Freiheit und das NS-Gedenken auf dem Tempelhofer Feld“
DAS TEMPELHOFER FELD
Vielen Menschen ist das Tempelhofer Feld nur als der ehemalige Flughafen Tempelhof bekannt.
Wir möchten am Tag der Erinnerung und Mahnung jedoch an die Rolle, die das Tempelhofer Feld und das gegenüberliegende Columbia-Haus von 1933 – 1945, während des deutschen Faschismus spielte, erinnern.
Einen Tag vor der Erstürmung der Gewerkschaftshäuser ließ die NSDAP am 1.Mai 1933 eine Millionen Menschen auf dem Tempelhofer Feld antreten. Der internationale Kampftag der Arbeiter_innen wurde zum „Tag der nationalen Arbeit“ umgedeutet.
Durch die Verhaftungswellen, mit denen kurz nach der Machtübertragung an die Nazis die politischen Gegner ausgeschaltet werden sollten, waren die Gefängnisse in Berlin bald überfüllt. Die Gestapo übertrug das leerstehende Militärgefängnis Columbia-Haus der SS als Haft- und Folterstätte für politische Gefangene. 1934 wurde es bis zur Stilllegung 1936 ein Berliner Konzentrationslager.
Von 1941-1945 beschäftigten die „Weser-Flug-Werke“ auf dem Tempelhofer Feld über 4.000 Zwangsarbeiter_innen, zur Produktion von Sturzkampfbombern („Stukas“).
Das Gelände am Tempelhofer Feld war mit Barackenlagern für Zwangsarbeiter_innen aus ganz Europa überzogen.
Gedenken an die Opfer des KZ Columbia-Haus und der Zwangsarbeit auf dem Tempelhofer Feld.
V.i.S.d.P.: Hans Coppi, Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes- Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V [VVN-BdA], Franz-Mehring Platz 1, 10243 Berlin
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Der Berliner Senat machte im Frühjahr und Sommer 2013  mit einer Vielzahl von Veranstaltungen mobil, um für seine Variante zu werben: die ZLB als „Ankernutzung“ auf dem Tempelhofer Feld. Dabei verwickelte er sich durchaus in Wiedersprüche, z.B. wenn Bibliothekare und Bildungspolitiker aus Helsinki eingeladen wurden, um die Gleichartigkeit der Entscheidungen in europäischen Metropolen für attraktive neue Bibliotheksbauten zu belegen. Die KollegInnen aus Helsinki konnten allerdings berichten, dass man sich dort – trotz einer bereits gut ausgebauten Zentralbibliothek an der Peripherie der Innenstadt – bewusst für einen Neubau in der Mitte der Hauptstadt entschieden hat, neben Rathaus, Museum und anderen relevanten Kulturinstitutionen.

Mittlerweile gibt es von mehreren stadtplanerisch und -poliisch engagierten Fachleuten Untersuchungen zur bestmöglichen Lage einer Zentralbibliothek und zu ‚kulturbasierten‘ Entwicklungsstrategien im städtischen Raum.

Als erstes soll hier die Untersuchung von Rolf Stein genannt werden:
Zur optimalen Lage eines Standortes für eine städtische Bibliothek – ein theoretischer Ansatz am Beispiel der ZLB Berlin,
s. http://www.stadt-und-region.net/pdf/ZLB_Standorte.pdf

Der Autor, studierter Volkswirt  mit dem Schwerpunkt Stadt- und Regionalforschung, kommt in diesem Beitrag zu dem Fazit:

„Überträgt man dies auf die Standortwahl für die ZLB in Berlin, so dürften fast alle in der ersten Analyse untersuchten zehn innenstädtischen Standorte in diesem kostengünstigen Bereich liegen.“

Rolf Stein machte uns freundlicherweise auch auf einen weiteren, sehr interessanten Beitrag des niederländischen Stadtforschers Robert Kloostermann aufmerksam.

Er sandte uns dazu folgenden,  kommentierenden Text:

„Sehr empfehlenswert für die Diskussion um den richtigen Standort für eine neue ZLB in Berlin ist ein Artikel von
Robert Kloosterman: New Urbanity in an Old City: The Case of Amsterdam
(Als Download verfügbar unter: www.dare.uva.nl/document/182423)
Auf Deutsch: Die Lehre aus Amsterdam: Neue Urbanität in der alten Stadt
(In: Geographische Zeitschrift, Jg. 97, Nr. 2/3, 2009, S. 113-129).

Der Text basiert auf dem aktuellen theoretischen Unterbau der Stadtforschung und verwendet eine Reihe von Fachbegriffen, ist aber auch für Fachfremde weitgehend verständlich. Eine kleine formale Kritik ist vorauszuschicken: Das Literaturverzeichnis im frei  verfügbaren, englischen Text ist nicht ganz vollständig, listet also nicht alle verwendeten Quellen auf.
Robert Kloosterman ist Professor für Wirtschaftsgeographie und Raumplanung an der Universität Amsterdam. In seinem Artikel geht es u.a. darum, wie und unter welchen Bedingungen kulturelle Institutionen und Aktivitäten dazu beitragen können, brachliegende Flächen, Gebäude oder städtischen Räume zu revitalisieren.  Solche ´kulturbasierten´ Entwicklungsstrategien, werden inzwischen in vielen Städten der Welt eingesetzt.
Sicher ist die Situation von Amsterdam als alter Handelsmetropole mit pulsierendem Stadtkern ganz anders als die von Berlin, wo sich eine neue Wirtschaftsstruktur und räumliche Mitte erst wieder herausbildet. Dennoch gibt es Ähnlichkeiten: Hier wie dort gibt es große städtische Gebiete, die bislang abseits der städtischen Entwicklung lagen. Zugleich spielte im niederländischen Fall die neu erbaute, multifunktionale Oopenbare Bibliotheek Amsterdam (OBA) eine wichtige Rolle bei der Wiederbelebung eines Teils der ehemaligen Hafenanlagen. Ähnliches plant der Berliner Senat in Tempelhof, wo  um die neue ZLB ein ´Bildungsquartier´ etabliert werden soll. Da sich der Senat zudem explizit auf das Beispiel der OBA als Begründung für den Neubau im Südwesten des Tempelhofer Feld bezieht, ist dieser Fall für die Standortdiskussion in Berlin höchst aufschlussreich.

Kloosterman gibt einen recht fundierten, kurzen Überblick über die aktuelle wissenschaftliche Diskussion in der Stadtforschung, die sich um solche kultur-basierten Strategien rankt. Er unterscheidet unterschiedliche Arten von kulturellen Distrikten, beschreibt deren Entwicklungsbedingungen und verdeutlicht seine Analyse am Beispiel der Stadt Amsterdam und ihrer OBA und anderer Kulturinstitutionen.

Bei allen Ähnlichkeiten, die es hinsichtlich der Funktionalität, dem hohen architektonischen Anspruch und den mit der Ansiedelung der Bibliotheken verknüpften Entwicklungsstrategien gibt, existiert zwischen der geplanten Berliner und der neuen Amsterdamer Bibliothek ein gravierender Unterschied.  Dieser ist in der völlig unterschiedlichen Verortung der Bibliotheken im städtischen Raum zu sehen. In Berlin soll die neue ZLB an der Peripherie der inneren Stadt entstehen, weitab von den zentralen, urbanen Räumen. In Amsterdam wurde die neue OBA in direkter Nähe zum Stadtzentrum, in fünf Gehminuten von Zentralbahnhof angesiedelt. Dieser zentrale Standort war, wie in dem Artikel dargelegt wird, für den großen Erfolg der Bibliothek und auch des sie umgebenden Quartiers von außerordentlicher Bedeutung.                                                                                                                                                          (R. Stein)“

Auf der von Senatsseite sehr hochrangig besetzten Veranstaltung am 3.6.2013 in der Friedrich-Ebert-Stiftung mit dem Titel: „Eine Bibliothek für alle: Neu, anders und in Tempelhof“ war ausdrücklich auch Hans von Velzen, der Direktor der OBA (Openbaaren Bibliotheek Amsterdam), als Kronzeuge eingeladen „zu der Idee und Umsetzung der neuen ZLB“. Über den kleinen, aber gewichtigen Unterschied, dass die OBA in direkter Nähe zum Stadtzentrum, nur 5 Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt angesiedelt wurde, hörten die Anwesenden kein einziges Wort.

Auf der Veranstaltung zur „Bibliothek der Zukunft – Zukunft der Bibliothek“ am 13.5.2013 im Gemeinschaftshaus der Nordischen Botschaften waren mehrere skandinavische KollegInnen anwesend, die über aktuelle Bibliotheksplanungsprozesse in ihren Ländern berichteten.
So gab es in Aarhus und Helsinki selbstverständlich eine jahrelange Diskussion mit BürgerInnen, KommunalpolitikerInnen und BibliotheksbenutzerInnen, bevor eine Entscheidung über Standort und Konzept des Bibliotheksneubaus getroffen wurde. Die  Bibliothekarin Pirjo Lipasti aus Helsinki berichtete,  dass die finnische Hauptstadt, obwohl sie bereits über eine sehr gut funktionierende Zentralbibliothek am Rande der Innenstadt verfügt, sich bewusst entschieden hat, eine neue Hauptbibliothek in der Mitte der Stadt zu bauen, neben Rathaus, Oper und Museum.
Welch ein Kontrast zu Berlin. Hier entscheidet der Bürgermeister persönlich und ohne Wenn und Aber, wohin die Zentralbibliothek gesetzt wird und welchen außengeleiteten bibliotheksfremden Zielen sie als erstes zu dienen hat.
Frauke Mahrt-Thomsen 24.6.2013

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Zu der Diskussionsveranstaltung am 7.3.2013 im Rathaus Schöneberg von Berlin: Auseinandersetzung um die Zukunft des Tempelhofer Feldes;
TeilnehmerInnen an der Podiumsdiskussion: Hermann Barges, Landschaftsarchitekt,  Bürgerinitiative100% Tempelhofer Feld; Beate Winzer, Initiative Gedenkort Tempelhofer Feld; Frauke Mahrt-Thomsen, AK Kritische Bibliothek, u.a.:

Auf dieser Veranstaltung wurde bezogen auf die ZLB-Planungen deutlich, dass selbst einigen im Politikbetrieb erfahrenen Leuten die von der ZLB 2008 in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie für den Ausbau des Standortes Blücherplatz (AGB) nicht bekannt ist, weil ZLB und Senat alles getan haben, um sie in der Versenkung verschwinden zu lassen. Der Nachweis dieser Studie, dass am Halleschen Tor genügend Platz vorhanden wäre, um einen Ausbau der AGB in der für einen ZLB-Neubau geforderten Größenordnung vorzunehmen, hätte einfach gestört bei der Durchsetzung der vom Senat von oben vorgenommenen Festlegung, dass die neue ZLB aufs Tempelhofer Feld kommt, weil dieses in den Randzonen auf jeden Fall bebaut werden soll und dafür eine „Ankernutzung“ gebraucht wird.

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Verwaltungsgericht Berlin weist Klage über das Volksbegehren für das Weltkulturerbe Flughafen Tempelhof und mehr Transparenz in der Politik ab

Das Verwaltungsgericht Berlin hat am 13.06.2012 die Klage der Vertrauensleute zum Volksbegehren Flughafen Tempelhof aus dem Jahr 2008 abgewiesen. Die Initiatoren des Volksbegehrens hatten rund 25.000 Unterschriften gesammelt und am 09.06.2009 den Antrag auf Durchführung des Volksbegehrens gestellt. Der damalige Senat von Berlin hatte Teile des Volksbegehrens für unzulässig erklärt. Dagegen waren die Initiatoren vor das Berliner Verfassungsgericht gezogen, das die Klage jedoch aus formalen Gründen abgewiesen hat. Mit der neuen Klage wollten sie den Berliner Senat zwingen, sich aufgrund der inzwischen geänderten Rechtslage erneut mit dem Volksbegehren zu beschäftigen und dieses in vollem Umfang zuzulassen. Hierzu gibt es nach der Entscheidung des Verwaltungsgerichtes Berlin allerdings keine Rechtsgrundlage.

Für die Vertrauensleute bleibt es eine höchst unbefriedigende Situation, dass das damalige Vorgehen des Senats zwar offensichtlich verfassungswidrig war, daraus aber keine Notwendigkeit zur Korrektur resultiert.

Trotz der Klageabweisung in diesem Verfahren sieht sich das Aktionsbündnis be-4-tempelhof.de weiterhin als Interessenvertreter von 25.000 Berlinerinnen und Berlinern, die ein Volksbegehren erreichen wollten und von 62.053 Tempelhof-Schöneberger Bürgern, die sich am 07.06.2009 mit 65,2 % Mehrheit in einem erfolgreichen Bürgerbegehren für den Erhalt des Zentralflughafen Berlin-Tempelhof und als UNESCO-Weltkulturerbe ausgesprochen haben:

http://www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/organisationseinheit/buerger/wahl/buergerentscheid.html

http://www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/organisationseinheit/buerger/wahl/ergebnis_be_tempelhof.html

Das erfolgreiche Bürgerbegehren vom 07.06.2009 hat die Wirkung eines BVV-Beschlusses.
Wir fordern den Berliner Senat und den Bezirk Tempelhof-Schöneberg daher erneut auf, alle Bebauungspläne für das Tempelhofer Flugfeld unverzüglich einzustellen und für die Landeszentralbibliothek einen zentralen Alternativstandort zu suchen.

Das Aktionsbündnis be-4-tempelhof.de dankt allen Unterstützern.
Weitere Informationen unter www.be-4-tempelhof.de
Mit freundlichen Grüßen Im Auftrag des Aktionsbün,dnisses be-4-tempelhof.de
Michael Freitag
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Kommentar von Frauke Mahrt-Thomsen:
Die Initiative macht auf einen ganz wichtigen Tatbestand aufmerksam:

Die Bürger aus dem Umfeld des Flughafens stellen sich entschieden gegen jede Bebauung des Tempelhofer Feldes und fordern den Senat auf, einen anderen, zentraleren Standort für die ZLB zu suchen!  Ihr erfolgreiches Bürgerbegehren vom 7.6.2009 hat die Wirkung eines BVV-Beschlussen. Ich finde, das sind gewichtige Argumente, die sich auch die an einer besseren Planung für die ZLB interessierten Parteien im Berliner Abgeordnetenhaus zunutze machen sollten.
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„Die Landesbibliothek kann gerne dort gebaut werden wo sie hingehört, nämlich im Stadtzentrum, aber nicht auf diesem historischen Ort“, d.h. auf dem Tempelhofer Feld, so Volker Perplies vom Volksbegehren für das Weltkulturerbe Flughafen Tempelhof, nachzulesen  in der Pressemitteilung des Aktionsbündnisses www.be-4-tempelhof.de  vom 04.06.2012. Dem können wir nur zustimmen: die Zentral- und Landesbibliothek
gehört – wie auch in angloamerikanischen und skandinavischen Kommunen – in die Mitte der Stadt.
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Die Bürgerinitiative Tempelhof 42 lädt zu einem Informationsseminar über Vergangenheit und Zukunft des Flughafen Tempelhofs, am 6.5.2012, 15-19 Uhr, in die (Verwaltungs-) Bibliothek des Rathauses Schöneberg, 1.Stock, ein, in dessen Rahmen Frauke Mahrt-Thomsen ein  Kurzreferat über die ZLB-Planungen aus Sicht der Kritischen Bibliothek halten wird. Wie berichtet, will der Senat die neue ZLB  auf die südwestliche Ecke des Tempelhofer Feldes setzen, inmitten eines von ihm geplanten und erst zu entwickelnden Gewerbegebiets. Inzwischen hat die Partei Bündnis 90/Die Grünen den Senat aufgefordert, die bisherige Kostenschätzung seriöser zu begründen und die Standortfrage erneut zu überprüfen.
Die Interessen der Bürgerinitiative Tempelhof 42 sind primär auf den Erhalt des Flughafens Tempelhof als historisches Erbe und Freiraum für die Bevölkerung gerichtet, aber es ergeben sich Überschneidungen mit dem Anliegen der Kritischen Bibliothek, die Standortfrage für die ZLB mit den BürgerInnen zu diskutieren!

Das Seminar findet im Rahmen des XXVII Black International Cinema Berlin statt,
s.http://www.black-international-cinema.com/BIC12/bic_12_ge.htm

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Unter großer Publikumsbeteiligung fand am 28.2.12 die Veranstaltung zum geplanten Neubau der ZLB im ehemaligen Restaurant des Flughafens Tempelhof statt. Ca. 250 BürgerInnen wurde zunächst das Konzept des Senats erläutert, der die ZLB als ‚Anker‘ in ein geplantes Gewerbegebiet am südöstlichen Rand des Flughafengeländes setzen will, damit dieses zusammen mit Schulen und möglicherweise Privat-Universitäten zum ‚Bildungsquartier‘ wird. Volker Heller von der Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten und Vorsitzender des ZLB-Stiftungsrats pries den ‚zentralen und attraktiven Standort‘, weil sich dort eine U- und S-Bahnlinie kreuzen und eine Autobahn nah vorbei führt, und versprach, dass die neue Bibliothek 63 000 m² umfassen und  täglich 16 Stunden an 360 Tagen im Jahr geöffnet sein soll. Alle anderen Standorte wären durchgeprüft worden und kämen nicht in Frage.
Die Stadt Aarhus in Dänemark wurde als Paradebeispiel vorgeführt, wie wunderbar sich eine Bibliothek dazu eignet, ein randständiges Quartier zum ‚center of the city‘ zu machen. 2014 wird dort nach 20jähriger Planungsphase die neue Zentralbibliothek im Hafengelände eröffnet.
In der nachfolgenden Diskussion gab es viel Kritik an der ZLB-Standort-Entscheidung, an dem Zubauen des Tempelhofer Feldes überhaupt, an der Lärmbelästigung durch die Autobahn, an der mangelnden Prüfung von Alternativen (Was ist mit dem Marx-Engels-Forum?), an der unzureichenden Offenlegung der Kostenkalkulation, an der Institutionalisierung der Bestands- Zersplitterung durch die geplanten Teilbestände im Humboldt-Forum, an der verspäteten Bürgerbeteiligung und der falschen Herangehensweise an die ZLB-Planung: die Bibliothek dürfe nicht als Mittel zum Zweck ‚Belebung eines Gewerbegebiets‘ benutzt, sondern sie muss dorthin gesetzt werden, wo sie für alle am besten wahrzunehmen und zu erreichen ist: in der Mitte der Stadt.
Außerdem besteht bei verschiedenen Rednern die Befürchtung, dass die Bezirksbibliotheken, die schon jetzt unter massiven Finanznöten leiden, durch den Super-Neubau gänzlich in den Schatten gestellt und verdrängt werden. Direktorin Claudia Lux versichert, sie kämpfe für ein Berliner Bibliotheksgesetz und für die Zusammenarbeit mit den dezentralen Bibliotheken.
Nur acht Tage später erfährt die staunende Berliner Öffentlichkeit: Volker Heller wird neuer ‚Management-Direktor‘ der ZLB und Claudia Lux geht, wie die TAZ titelte, ‚Ab in die Wüste‘ . Bereits ab 1.April 2012 wird Claudia Lux im Emirat Katar eine Zentralbibliothek aufbauen, die schon 2014 eröffnet werden soll.
Der von Volker Heller geleitete ZLB-Stiftungsrat  beschließt, die Direktorenstelle der ZLB bis wenigstens zum Herbst 2012  n i c h t  auszuschreiben. Nikolaus Bernau kommentiert in der Berliner Zeitung vom 8.3.2012: „Das Signal ist fatal: Jeder Bibliothekar, der kompetent genug für diesen Job ist, weiß nun, Bibliotheksdirektoren werden in Berlin bestenfalls als Beirat zum Management-Direktor berufen. Es zählt nicht die Bildungsvision, sondern der strahlende Neubau.In Katar will man diesen Fehler ofenbar vermeiden. Dort wird ganz auf Bildung und Kultur als Zukunftsinvestition geseht…Warum soll sich eine agile Frau wie Claudia Lux mit deutschen Bürokraten und Politikern herumschlagen, die Breitenbildung und Bibliotheken jahrzehntelang als Ballast betrachten, sie dann im Wahlkampf als Teil der Stadtentwicklung und Integrationspolitik entdecken und nun dafür ständig gelobt werden wollen? Da geht man doch lieber in die Wüste.“
Frauke Mahrt-Thomsen 19.3.2012
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Der Berliner Senat und die ZLB laden ein zur Diskussionsveranstaltung am 28.2.2012:
„Bibliothek und Metropole – Der Neubau der Zentral- und Landesbibliothek als Motor der Stadtentwicklung“
Unter diesem Motto diskutieren am 28. Februar um 18:30 Uhr im ehemaligen Flughafenrestaurant.

  • Prof. Dr. Claudia Lux, Generaldirektorin der Zentral- und Landesbibliothek Berlin
  • Knud Schulz, Geschäftsführer der Zentralbibliothek Aarhus/Dänemark
  • Gerhard W. Steindorf, Geschäftsführer der Tempelhof Projekt GmbH
  • Volker Heller, Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten
  • Manfred Kühne, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt
  • Dr. Jonas Fansa, Baureferent der Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Diskutieren Sie mit –
Wir laden Sie ein und möchten mit Ihnen diskutieren.
Stellen Sie Ihre Fragen vorab auf unserer Facebook-Fanpage oder senden Sie uns eine email:
zursache@tempelhof-projekt.de
Ihre Fragen und Anregungen fließen mit in die Diskussion ein.

vollständiger Text auf http://www.tempelhoferfreiheit.de/ueber-die-tempelhofer-freiheit/aktuelles/einladung-zur-sache-tempelhofer-freiheit/
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Am 28.11.2011 fand  beim Bund Deutscher Architekten, Landesverband Berlin, das Gespräch über die zukünftige Zentral- und Landesbibliothek statt. Obwohl von Senats- und Bibliotheksseite davon ausgegangen wurde, dass die Entscheidung über den künftigen Standort der ZLB bereits gefallen ist (Tempelhofer Feld), lautete der Tenor vieler Beiträge, sowohl von den geladenen Experten wie aus dem Publikum:
– die Standort-Festlegung durch die Politik erfolgte voreilig,
– eine Vielzahl alternativer Standorte wurden nicht untersucht,
– die Möglichkeiten einer kreativen Umnutzung des Flughafengebäude wurden nicht genauer geprüft,
– die Diskussion geht alle BürgerInnen in dieser Stadt etwas an, sie  muss in die Öffentlichkeit getragen werden,
– die wichtigsten ExpertInnen sind die BenutzerInnen der Bibliothek, sie  müssen aktiv in die Diskussion einbezogen werden.

Es ist deutlich, dass Senat und Bibliothek die Öffentlichkeit bisher nur in engen Grenzen an der Diskussion und vor allen Dingen Entscheidungsfindung beteiligen wollen, von einer Bereitschaft, die Standortfrage wieder offen zu halten und sich erst nach Ende eines öffentlichen Diskussionsprozesses  festzulegen, war nicht die Rede.

Ebenso wie die Occupy-Wall-Street-Bewegung im Zuccotti-Park müssen die Bürgerinnen und Bürger von ihrer ZLB Besitz ergreifen.

Sie müssen gefragt werden, wenn es um die Wahl des Standortes geht.
Die Politik muss lernen, auf die Stimme des Volkes zu hören!

Hier findet Ihr detaillierte Aufzeichnungen von dem Gesprächsverlauf:
ZLB-Gespräch Bund Deutscher Architekten 28.11.2011 (DOC)
Frauke Mahrt-Thomsen

In der TAZ vom 23.11.2011, S.15,  gibt es einen ganzseitigen Artikel von Rolf Lautenschläger über die ZLB:

Die Bibliothek der Zukunft.  Neue Chefsache. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit macht weiter als Kultursenator und will eine öffentliche Superbibliothek auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelshof bauen. Claudia Lux, Bibliotheksdirektorin, freut sich darauf.

Leider muss man bei der TAZ jetzt auch schon bezahlen, wenn man alte Artikel im TAZ-Archiv lesen will.

Aber vielleicht gehören einige von Euch bereits zu den Archiv-AbonnentInnen?

Hier nur kurze Auszüge aus dem Artikel, die sich mit der Standortdebatte befassen:

„Der Standortfrage sei man in der Debatte keineswegs aus dem Weg gegangen, betont sie (Claudia Lux). ….
Klar, dass nur die Konzentration aller Funktionen, in einem großen Haus und mit guter öffentlicher Anbindung eine Lösung bietet – eben Tempelhof. ‚Ein idealer Standort‘, findet sie

Zankapfel Standort
Es gibt in Berlin nicht wenige, die das anders sehen. Der vorgesehene Bauplatz am südlichen Rand des Flughafengeländes sei der falsche, zumal die Zukunft des 350 Hektar großen Areals noch offen ist. Eine Bibliothek an dieser peripheren Stelle wäre zu abgelegen, eine Zentralbibliothek gehöre in die Stadt, sagen sie.
Im Oktober 2011 eröffnete der Bund Deutscher Architekten Berlin eine Ausstellung, die sich mit ’40 pointierten Statements in den öffentlichen Diskurs um das Bibliotheksprojekt einbringen wollte .Dass unter den 40 Architekten auch solche waren, die visionäre Projekte auch auf dem Exflughafen landen ließen, ist evident. Überwiegend aber platzierten die Planer ihre Architektur-Ideen in das Zentrum der Stadt – oder schlugen gar die Erweiterung der AGB vor. Es gibt am bestehenden Standort durchaus Raum für mehr, wie die Architektin Christine Edmaier vorführt. Am Hauptbahnhof, auf dem Gelände des Gleisdreiecks und an der Jannowitzbrücke, am Zoologischen Garten, an der östlichen Spree oder nahe dem Schlossplatz fanden die Architekten ebenfalls Flächen für eine Bibliothek. Auf eine Bibliothek am Rande Tempelhofs neben einem Gewerbegebiet mit Autobahnanschluss setzen sie nicht.“

Die Diskussion geht weiter, auch in den Berliner Medien:
http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article1874864/Viel-Zuspruch-fuer-Berliner-Bibliotheken-aber-zu-wenig-Personal.html
und
http://www.bz-berlin.de/archiv/gro-szlig-er-zulauf-aber-wenig-geld-fuer-berlins-bibliotheken-article1357424.html
Die Bezirksbibliotheken weisen zu Recht darauf hin, dass  sehr hohe Ausgaben für die eine zentrale Bibliothek nicht dazu führen dürfen, dass den sowieso schon gebeutelten Bezirksbibliotheken immer mehr die  Luft abgeschnürt wird,  dass es eine ausgewogene
Bibliotheksentwicklungsplanung für die ganze Stadt geben muss.
Frauke Mahrt-Thomsen 11.1.2012

3 Kommentare zu 20.000 Protestunterschriften für die ZLB-Petition an Stiftungsrat übergeben

  1. Peter Delin sagt:

    Was ist das eigentlich für ein merkwürdiger Arbeitskreis „Kritische Bibliothek“, der nichts Besseres zu tun hat, als gegen den Neubau der ZLB zu stänkern. Seit dem Fall der Mauer vor fast 25 Jahren warten die Berliner auf einen Neubau für Ihre Zentralbibliothek. Statt die großartige Initiative von Klaus Wowereit zu unterstützen – sie nützt schließlich allen Berlinern – besonders denen, die nicht so privilegiert sind – lässt dieser Arbeitskreis keine Gelegenheit aus, dagegen vorzugehen. Der AK Kritische Bibliothek befindet sich wohl im falschen Film und sollte sich vielleicht umbenennnen in AK Kritisch gegen die Bibliothek.

    Peter Delin

  2. Pingback: Meine persönliche Rückschau auf den BID-Kongress 2013 (Teil 3) | Bibliothekarisch.de

  3. Pingback: Was wünschen sich die Nutzerinnen und Nutzer von einem Neubau der Zentral- und Landesbibliothek Berlin? | Bibliothekarisch.de

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