Kritische Bibliothek
Amazon und die Kataloganreicherung in deutschen Bibliotheken

In der bibliothekarischen Mailingliste INETBIB wurde Mitte Februar diesen Jahres erneut die
Kataloganreicherung mit Buchcovern, diesmal vor dem Hintergrund negativer Medienberichterstattung über Amazon. Ergänzend hier ein Hinweis:
Seit August 2012 verlinkt auch in seiner Voreinstellung der millionenfach genutzte Karlsruher Virtuelle Katalog (KVK) direkt von den angezeigten Buchcovern auf Amazon. Es ist nicht bekannt, ob die KIT-Bibliothek ähnlich der UB Heidelberg monatliche Provisionen vom Internetversandhändler erhält. Öffentlich jedoch wurde am vergangenen Wochenende, Amazon lehne einen  Tarifvertrag für seine deutschen Logistikzentren ab und sorge mit Leiharbeitern den von ver.di angekündigten Streiks vor. Daneben gibt es lt. „Der Spiegel“ (Nr.11, 11.3.13, S.129) eine Software, mit der Amazon die konkrete Nutzung seiner E-Books ausspähe. Ist die – zumal alleinige – Bewerbung eines solchen Arbeitgebers und Medienanbieters für  Bibliotheken mit dem IFLA-Ethikkodex vereinbar? Laufen Bibliotheken bei solchen Kooperationen nicht Gefahr, dass in einigen Jahren ihre Berechtigung und Steuerfinanzierung infragegestellt werden wird, wo doch Google, Amazon und Co. schneller, einfacher und billiger seien (angeblich!)? Wer mit Großkonzernen zusammenarbeitet, benötigt fürs eigene Überleben öffentlichkeitswirksame Alleinstellungsmerkmale und eine gesicherte Finanzierung. Selbst die gesetzlich und politisch abgesicherten ARD und ZDF sehen sich aktuell wegen des neuen sog. Rundfunkbeitrags heftiger Kritik und Rechtsklagen ausgesetzt bis hin zur Forderung nach ersatzloser Abschaffung zugunsten der Privaten, haben sie doch auf Kosten des Gebührenzahlers diesen jahrelang nachgeeifert. Leider fehlt bislang für die Kataloganreicherung eine umfassende und auch IT-taugliche bibliothekseigene Lösung: SWBPlus ist neutral, jedoch noch nicht vollständig genug wie auch die OpenLibrary, auf deren Cover manche Gesamtkataloge verweisen, oder die neuen verlinks von buchhandel.de, das jedoch nicht den gesamten örtlichen Buchhandel listet. Was also tun? Bevor Bibliotheken als öffentlich-rechtliche Institutionen möglicherweise an Ansehen bei kritischen Nutzern oder Geldgebern verlieren und mit dazu beitragen, den örtlichen Buchhandel auch als Ort vielfältiger kultureller Begegnung zu verdrängen, wäre wohl  doch ein Verzicht auf einseitige „Kaufempfehlungen“ das geringere Risiko und Übel – auch im eigenen Interesse.“

Zum Schluss der Hinweis auf einen empfehlenswerten Pressebeitrag zu diesem Thema: 

http://www.jungewelt.de/2013/04-06/005.php?sstr=amazon
Brigitte Jahn / Tübingen

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