Kritische Bibliothek
Benutzer/in oder Kunde/in

In der bibliothekarischen  Mailingliste inetbib läuft derzeit, angestoßen durch eine Mail von Peter Jobmann vom 11.7.2013, eine interessante Diskussion über die Verwendung des  Kunden-Begriffs in der öffentlichen Verwaltung und im Bibliothekeswesen.
Peter Jobmann kritisiert:

„Managementlehre, Konsumforschung und Marketing bilden das Rückgrat des bibliothekswissenschaftlichen Denkens. Gleichsam steckt in diesen drei Punkten auch das ganze traurige Bibliotheksbild: das Verständnis der Bibliotheksbesucherinnen und -besucher als Konsumentinnen und Konsumenten…
Die Soziologie des Kundenbegriffes hingegen interessiert kaum. Wie verändern wir die Einrichtung mit dem Verständnis der Bibliotheksbesucherinnen und -besucher als Kundinnen und Kunden? Die auch in der bibliothekswissenschaftlichen Literatur durchaus belegbare Komplementärrolle Bibliothekar / Leserin (und andersherum) wurde bspw. durch nichts ersetzt.
Die Funktionszuschreibung der Bibliothek in der Gesellschaft wurde quasi einfach in die Tonne getreten und mit einem Begriff ersetzt, der keine Rolle in der Gesellschaft beschreibt, sondern eine Rolle auf dem Markt – dem Kundenbegriff.“

 

Anette Kustos schreibt:

„Ich denke auch schon etwas länger über den Kundenbegriff nach im Verhältnis zu dem des Bürgers. Der Begriff des Bürgers ist in den letzten Jahren sehr geschwächt worden, da öffentliche Güter und öffentliches Recht durchdrungen wurden von Prinzipien betriebswirtschaftlicher Konzepte und auch bestimmten Interessen im Hintergrund….“

 

Frauke Mahrt-Thomsen weist auf den Vortrag hin, den der Kollege Klaus Döhmer bereits 2004 auf dem Bibliothekskongress in Leipzig gehalten hat, mit dem Titel „Benutzer versus Kunde“, der mit den Worten endet:

„Die Frage, ob wir Benutzer bedienen oder Kunden, ist eine politische. Die Frage, welchen Service-Anspruch wir an uns selber stellen, ist eine ethische. In diesem Sinne möchte ich nie Kunde einer Bibliothek werden. Ich ziehe es vor, ihr Benutzer zu bleiben. In diesem Sinne möchte ich auch nie Dienstleister für Kunden werden. Ich ziehe es vor, Benutzer zu bedienen.“

 

Den Link zu dem vollständigen Text des Vortrages von Klaus Döhmer finden Sie in der Rubrik „Bibliothek und Gesellschaft.“

Eine Kommentar zu Benutzer/in oder Kunde/in

  1. John Doe sagt:

    Das Thema wurde bereits im Januar 2013 von Herrn Jobmann aufgegriffen: Schädigendes Kundengedöns @*Ultrà Biblioteka*
    Grüße!

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