Kritische Bibliothek
Bona-Peiser-Bibliothek: Nicht nur die Bibliothek, sondern auch ihre Akten wurden vernichtet

Anfang des Jahres 2016 wurde die Bona-Peiser-Bibliothek endgültig geschlossen, aber bereits im Sommer 2014 musste das Fachpersonal weisungsgemäß die Bibliothek verlassen und vorab in aller Eile entscheiden, was mit verschiedenen Materialien passiert, die sich noch im Keller der Bibliothek befanden. Einige wurden an das Archiv des FHXB Museums übergeben. Die Aktenordner mit den in vielen Jahren vor und nach der Wende gesammelten Unterlagen über die Veranstaltungs- und Stadtteilarbeit der Bibliothek waren nicht darunter. Mehrfache Nachfragen nach dem Verbleib der Akten wurden von den fachlich und politisch im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin Verantwortlichen nicht beantwortet. Erst nach Intervention eines Berliner Abgeordneten bekam die ehemalige Bibliotheksleiterin eine mehr als unbefriedigende Antwort, aus der nur eines klar wurde: die Akten sind im Müllcontainer gelandet.

Lesen Sie zu dem ganzen, unglaublichen und beschämenden Vorgang den auszugsweisen Brief der früheren Bibliotheksleiterin an die Verantwortlichen:
AktenvernichtungsBrief.Bona-Peiser-Bibliothek.Auszug

Nachdem der Bona-Peiser-Bibliothek bereits in den letzten anderthalb Jahren  ca. die Hälfte ihres Bestandes, das gesamte Fachpersonal und die meisten Öffnungsstundengenommen wurden, wird den verblüfften StadtteilbewohnerInnen nun durch einen nicht unterschriebenen Aushang ander Eingangstür in feierlichem Ton verkündet: "Die 
Stadtteilbibliothek in der Oranienstraße zieht um".
Ein bestürzter Bibliotheksbenutzer schreibt dazu: "Sie nennen die Schließung 'Umzug'", und verweist auf die Eintragung zum Stichwort "Euphemismus" (auch: Glimpfwort,Beschönigung, Hehlwort, Hüllwort oder Verbrämung) in Wikipedia,s. https://de.wikipedia.org/wiki/Euphemismus.

Erst am 25.2.16 kam die Antwort des Bibliotheksamtsleiters auf die Anfragen vom 15.1. und 9.2.16, dass die Bona-Peiser-Bibliothek endgültig aus der Zuständigkeit des Amtes entlassen sei, denn sie wäre ja umgezogen, es würden weiter VHS- und Integrationskurse in den Räumen stattfinden, außerdem wäre jetzt geplant, dort ein Willkommenszentrum für Flüchtlinge einzurichten. Von einem Medien- und Kulturzentrum für den Stadtteil, das man den Teilnehmerinnen des Runden Tisches im Juli 2015 noch in Aussicht gestellt hatte, ist nicht mehr die Rede. Zuständig für den Standort Oranienstraße wäre jetzt das Facility Management, also die Immobilienverwaltung des Bezirksamtes, angesiedelt bei der Abteilung Finanzen und Kultur. Man spürt die Erleichterung des Amtsleiters des Fachbereich Bibliotheken, dass er den Problemfall Bona-Peiser-Bibliothek jetzt restlos entsorgen konnte. Frage eines Beteiligten am Runden Tisch: Wären nicht auch bei einem Willkommenszentrum Bücher für die Flüchtlinge von großem Nutzen?
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Bereits am 15.1.2016 und erneut am 9.2.2016 hat die Moderatorin dieses Blogs eine Anfrage an die zuständigen Amtspersonen (Stadträtin Borkamp und Bibliotheksamtsleiter Rickum bzw. Stellvertreterin Weis) geschickt, wann  endlich zu erfahren ist, welche Konzepte es zum Erhalt des Standortes Oranienstraße / Bona-Peiser-Bibliothek als Medien- und Kulturzentrum gibt. Dieses Konzept war den TeilnehmerInnen des Runden Tisches im Juli 2015 bis zum Jahresende versprochen worden, für seine Umsetzung sollten AkteurInnen aus dem Umfeld des Moritzplatzes gewonnen werden. Allerdings wurde von Bezirksamtsseite gleich erklärt: Geld haben wir dafür nicht, aber man fühle sich dem Ergebnis der Gesprächsrunde verpflichtet, dass ein Medien- und Kommunikationsort im Stadtteil gebraucht werde. Bis zum Jahresende haben die TeilnehmerInnen des Runden Tisches nichts gehört und auf die oben erwähnten Nachfragen gab es bisher keine Antwort.
Von einer Rücknahme des Gebührenforderung für die wenigstens stundenweise Nutzung der weiter vom Bezirksamt angemieteten Räume in der Oranienstraße 72 durch Bürgergruppen und Arbeitskreise hat man auch nichts gehört. Bibliotheksleitung und Kultur-Stadträtin in FHXB verlangen unter Hinweis auf die angeblich strikt zu befolgende Landeshaushaltsordnung selbst von langjährig im Stadtteil aktiven Gruppen für 2 Std. weiterhin eine Nutzungsgebühr von 34 € (!). Nachfragen in anderen Bezirken ergaben, dass z.B. in der neuen Schiller-Bibliothek und Hansa-Bibliothek in Mitte jederzeit separate Räume von Gruppen oder Vereinen genutzt werden können – ohne Gebühren! Gilt die Landeshaushaltsordnung in Mitte nicht oder wird sie in FHXB besonders restriktiv, zu Lasten der BürgerInnen ausgelegt? Auf jeden Fall gibt es offensichtlich einen erheblichen Interpretationsspielraum.

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Fahrradexkursion zur Bona-Peiser-Bibliothek

Am Montag, d. 17.8.2015, fand zwischen 17 und 19 Uhr,
im Rahmen des Workshops „Urbane Gemeingüter – Making Signs to Kreuzberg’s Hidden Commons“ die Fahrradexkursion „to Make the Commons visible“ zu 10 bisher öffentlichen, in Gemeineigentum oder staatlicher Regie bzw. Förderung befindlichen Orten, deren Weiterexistenz gefährdet ist.
Neben Objekten des Sozialen Wohnungsbaus, dem Prinzessinnengarten, dem Dragonergelände u.a. wird die Exkursion
auch die Bona-Peiser-Bibliothek in der Oranienstraße 72 ansteuern und dort, wie bei den anderen Objekten, ein Schild aufstellen,
auf dem vermerkt wird, worum es sich handelt, welche Bürgerinitiative sich dafür zuständig fühlt und welche offiziellen Ansprechpartner es gibt.
Für die „Bürgerinitiative Bona-Peiser-Bibliothek“ wird dort der Name
von Frauke Mahrt-Thomsen genannt, E-Mail: frauke.mahrtthomsen@gmail.com, Tel. o3o 2909 9004, Webseite: www.kribiblio.de, und von amtlicher Seite die Stadträtin Jana Borkamp, jana.borkamp@ba-fk.berlin.de..

Initiiert wurde die Aktion von der Nachbarschaftsakademie – Offene Plattform für Wissensaustausch, kulturelle Praxis und Aktivismus zwischen Stadt und Land im Prinzessinnengarten am Moritzplatz in Kreuzberg, die von Juni bis September eine Reihe von Workshops mit vielen Beteiligten aus dem In- und Ausland organisiert.
Der Workshop „Urbane Gemeingüter“ hat sich auf die Suche nach den Gemeingütern rund um den Moritzplatz gemacht und wurde von
einem Team aus Berlin und New York organisiert,
s. http://www.nachbarschaftsakademie.org/event/exkursion-urbane-commons-to-make-the-commons-visible/.

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Die Ergebnisse des Runden Tisches (s.u.) sind weiterhin offen. Nach Auskunft der Bibliotheksamtsleitung/Stadträtin Borkamp wird intensiv an einem Konzept gearbeitet gearbeitet. Die Bibliothek war in den letzten Wochen nur sehr eingeschränkt zugänglich, die Schließung ‚aufgrund von Personalmangel‘ erfolgte häufig ohne Vorankündigung oder auch nur Benachrichtigung der BesucherInnen vor Ort. Soweit bekannt, laufen die Anstellungs- oder Nutzungsverträge für die Mitarbeiterin aus dem Freien Sozialen Jahr oder The Public School nur bis Ende August 2015. Weitere Mitteilungen folgen.
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Der Runde Tisch zur Zukunft des Medien-und Kulturzentrums / Bona-Peiser-Bibliothek findet jetzt tatsächlich statt, und zwar bereits am Freitag, d. 3.7.2015, 16 Uhr,  aber eingeladen ist nur ein exquisiter kleiner Kreis, zu dem die ehemalige Leiterin der Bibliothek, Frauke Mahrt-Thomsen, von Vertretern des Bürgervereins Luisenstadt und The Public School gehören, aber der weitere Kreis der Eingeladenen ist nicht bekannt, die Einladungsliste blieb unter Verschluss. Wie die Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann, auf dem Bürgerfest der Luisenstädter am 26.6.15 verlauten ließ, wird es auch keine Zukunft der Bona-Peiser-Bibliothek geben, dafür hat man kein Geld mehr eingeplant und ist auch nicht gewillt, das zu ändern. Am 3.7.15 wird es höchstens um die Frage gehen, ob der Standort Oranienstraße 72 noch irgendwie zu retten ist, für ein VHS-Kultur-Bürger-Nachbarschaftszentrum o.ä.
Wohl bekomms!
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Wie von einem der beiden LeiterInnen der Stadtbibliothek Friedrichshain-Kreuzberg angekündigt, soll demnächst ein Runder Tisch einberufen werden, der über die Zukunft der Bona-Peiser-Biblioithek berät. Dazu sollen auch BürgerInnen oder Bürgergruppen eingeladen werden, die sich bisher für die Weiterexistenz der Bibliothek engagiert haben. Der Zeitpunkt für die Einberufung des Runden Tisches bleibt ungewiss, obwohl die Zeit drängt (s.u.)..
Wie ein kürzlich erfolgter Besuch in der Oranienstraße zeigte, werden selbst die mageren Öffnungszeiten der Bibliothek von 10 Stunden in der Woche nicht eingehalten, sondern die LeserInnen werden bei den verschiedenartigsten Engpässen vor vollendete Tatsachen gestellt. An der Eingangstür hing am 30.4.15 ein lose flatternder Zettel: „Wegen Krankheit bleibt die Bibliothek vom 27.-30.4.2015 geschlossen.“
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Die Bona-Peiser-Bibliothek soll zumindest bis zum August 2015 als Ort bestehen bleiben, sie wurde nach längerer Schließungszeit Mitte Januar 2015 wieder geöffnet. Allerdings nur an zwei Tagen in der Woche (Mo und Do von 13 bis 18 Uhr), ohne Fachpersonal und ohne vollständige Bibliotheksdienstleistungen. Getreu der Linie, die von Anfang an von der Bezirkskulturstadträtin vertreten wurde, wird die Bona-Peiser-Bibliothek trotz BVV-Beschluss (s.u.) als vollgültiges Mitglied innerhalb der öffentlichen Bibliotheken Berlins abgeschrieben und nur noch als Sozial- und rudimentäre Ausleihstation im Stadtteil betrieben.  Am 16.1.2015 wurde vom Bezirksamt kurzfristig verkündet, dass es sich bei der wieder eröffneten Einrichtung um ein Kultur- und Medienzentrum handelt, in dem an vier Tagen in der Woche auch VHS-Integrationskurse stattfinden und Gruppen und Vereine tagen können (Buchungsformular s. http://www.berlin.de/stadtbibliothek-friedrichshain-kreuzberg/bibliotheken/kultur-und-medienzentrum-oranienstrasse/buch-mich/formular.253833.php#.

Außerdem gibt es eine Kooperation mit einer bisher wenig bekannten Einrichtung ‚The Public School Berlin / A Public Library‘, die Workshops und Fachgespräche in den Bibliotheksräumen durchführt, z.T. aber in englischer Sprache und auf abstrakt hohem Niveau, nicht geeignet für das sozial schwache Publikum, häufig migranitscher Herkunft im Umfeld der Bibliothek, s. www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/aktuelles/pressemitteilungen/2015/pressemitteilung.253634.php.
Weitergehende Nutzungen der Bibliotheksräume sind durchaus zu begrüßen, aber was auf der Strecke bleibt, sind elementare  Serviceleistungen, die aus einer Büchersammlung erst eine öffentliche Bibliothek machen. Die LeserInnen können nur Medien ausleihen oder zurückbuchen, sie erhalten keinerlei fachliche Beratung vor Ort, keinen neuen Ausweis oder die Verlängerung des alten und keine Möglichkeit, Gebühren zu bezahlen. Dafür sollen sie in andere Bibliotheken gehen, vorzugsweise in die Mittelpunktbibliothek am Kottbusser Tor.
Die beiden anwesenden Aufsichtspersonen haben keine bibliotheksbezogene Ausbildung, sie absolvieren entweder ihr freiwilliges soziales Jahr oder kommen aus einem anderen Bereich des Bezirksamtes, daher können sie keine fachlichen Auskünfte erteilen und dürfen – offenbar wegen der strengen Auslegung des Berliner Datenschutzgesetzes – auch keinen Einblick in die internen VÖBB-Dateien nehmen.
Zwar steht die Bibliothek während der Öffnungszeiten den NutzerInnen auch als Lesesaal und Arbeitsraum,  für Internetrecherchen und Computerarbeiten zur Verfügung, aber insgesamt kann die Einschränkung der Serviceangebote nur zu einem weiteren Rückgang der Benutzung führen. Die Bona-Peiser-Bibliothek braucht wieder Fachpersonal, verdoppelte Öffnungszeiten, einen gesicherten Erwerbungsetat, die Dienstleistungen der Bezirkszentralbibliothek und des Verbundnetzes, sonst wird sie nur weiter heruntergewirtschaftet. Ihre stiefmütterliche Behandlung durch die Stadtbibliothek Friedrichshain-Kreuzberg geht so weit, dass für die Bona-Peiser-Bibliothek noch nicht einmal neue Bücher und Medien eingearbeitet werden, die sie  geschenkt bekommen hat. Diese modern in der Bezirkszentralbibliothek in einer Kiste vor sich hin und werden vielleicht erst hervorgeholt, wenn ihre Aktualität endgültig vorbei ist. (29.1.2015)

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Die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg hat beschlossen: die  Bona-Peiser-Bibliothek bleibt!

Mit den Stimmen aller Fraktionen – bei Enthaltung der Grünen – hat die BVV auf ihrer Sitzung am 27.8.2014 dem von über 1.500 EinwohnerInnen unterschriebenen Antrag zugestimmt, die Bona-Peiser-Bibliothek nicht zu schliessen!
Allerdings gibt es mehrere Wermutstropfen: Die BVV hat gleichermaßen – durch einfachen Konsensbeschluss des Ältestenrates – abgesegnet, dass die Bibliothek vorläufig nur für ein weiteres Jahr auf bescheidenstem Niveau aufrecht erhalten wird, danach soll überprüft werden, ob sie weiterbestehen kann. Die Öffnungszeiten der Bibliothek wurden auf zwei Tage in der Woche (Mo + Do von 13-18 Uhr) reduziert und das Fachpersonal bis auf eine Bibliothekarin, die Ende November pensioniert wird, abgezogen. Ein attraktiver, niedrigschwelliger Teil des Bestandes, die Krimibibliothek, wurde bereits in den Sommerferien – ohne Information der BVV – in die Bibliothek am Kottbusser Tor transferiert. Auf eine entsprechende Mündliche Anfrage der Abgeordneten Leese-Hehmke wurde das von der zuständigen Bezirksstadträtin als normale fachliche Entscheidung deklariert, für die eine Zustimmung der BVV nicht erforderlich sei. Durch die Anordnung der frühzeitigen Abbestellung der Zeitungs- und Zeitschriftenabonnements und die inzwischen angeordnete bezirkliche Haushaltssperre ist die Lage der Bona-Peiser-Bibliothek zusätzlich prekär. Sachspenden von aktuellen Medien sind sehr erwünscht,  Falls jemand bereit ist, zumindest kurzfristig personell auszuhelfen, um weitere Schließungstage zu verhindern, wäre mit der Bezirksstadträtin zu klären, wieweit das möglich ist.
Für Ende des Jahres wurde die Einberufung eines Runden Tisches unter Beteiligung der Zivilgesellschaft angekündigt, um über die Zukunft der Bona-Peiser-Bibliothek zu beraten.
Genauere Informationen über Zusammensetzung, Ort und Zeitpunkt dieses Runden Tisches gibt es bisher nicht.
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Auf der gemeinsamen Sitzung der beiden Ausschüsse für Kultur & Bildung sowie Personal, Haushalt & Inverstitionen am 1.7.2014 wurde mit großer Mehrheit beschlossen:
1. die Vorlage des Bezirksamtes zur Schließung der Bona-Peiser-Bibliothek abzulehnen,
2. der Forderung der Bürgerinitiative für den Erhalt der Bibliothek an ihrem bisherigen Standort Oranienstraße 72 zuzustimmen,
2. außerdem der Beschlussempfehlung der Fraktion der SPD zu folgen, bis zum Sommer 1915 den Entscheidungsprozess auf Landesebene um die Neuverteilung der Personalsparquoten für die Bezirke abzuwarten und das BA Friedrichshain-Kreuzberg zu beauftragen, bis dahin neue Handlungsmöglichkeiten zu sondieren,  für den Erhalt oder die Neugewinnung von Personal für die Bona-Peiser-Bibliothek.
Diese Beschlüsse wurden mehrheitlich von Mitgliedern aller Fraktionen getragen und hätten sicher am folgenden Tag auch die Zustimmung der BVV bekommen , wenn die BVV-Sitzung am 2.7.2014 in Friedrichshain-Kreuzberg nicht ausgefallen wäre, wegen der Unruhen um die Gerhart-Hauptmann-Schule und der tagsüber noch nicht abgeschlossenen Verhandlungen mit den Besetzern.
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Die Bezirksverordneten von Friedrichshain-Kreuzberg haben auf ihrer Sitzung am 4.6.2014 einstimmig folgenden Beschluss gefasst:
Das Bezirksamt wird beauftragt:
– Bis auf weiteres auf die Schließung der Bona-Peiser-Bibliothek zu verzichten;
– Die zur Aufrechterhaltung des Dienstbetriebes notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, zum Beispiel durch (befristete) Übernahme von Absolventen Fachangestellte*r für Medien- und Informationstechnik (ggf. auch aus anderen Bezirken), Einsatz von geeignetenDienstkräften des eZeP (Personalüberhang) oder von Honorarkräften. Der Verzicht auf die Einsparung von rd. 30300 Euro Sachmitteln ist entweder im Rahmen der laufenden Haushaltswirtschaft im Jahr 2015 zu erwirtschaften oder aus dem Überschuss des Haushaltsjahres 2013 gegen zu finanzieren.
– Über die Ergebnisse der Bemühungen des Bezirksamts ist dem Ausschuss Kultur und Bildung sowie Personal Haushalt und Investitionen zu ihrer gemeinsamen Sitzung am 1. Juli 2014 zu berichten, siehe auch: http://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/bvv-online/vo020.asp?VOLFDNR=6061&options=4
Das bedeutet, dass am 1. Juli der Bericht des Bezirksamtesdas wieder auf der gemeinsamen Sitzung von KuBi und PHI   diskutiert und ggf. entschieden wird. Es ist davon auszugehen, dass die Ausschüsse sich mehrheitlich auf eine Beschlussempfehlung für die nächste BVV einigen werden, die am nächsten Tag, d. 2.7., 17.30 Uhr stattfindet.
Kommentar eines Unterstützers der Bona-Peiser-Bibliothek: „Insofern ist das zunächst einmal nur ein ‚Etappensieg‘ und es kommt drauf an, wie der Bericht ausfällt und welche Schlussfolgerungen die Parteien daraus ziehen. Das soll den Erfolg nicht schmälern, den insbesondere die Bürgerinitiative zu verbuchen hat. Insofern: Herzlichen Glückwunsch! Immerhin ist es gelungen, den Automatismus der Entscheidung zu durchbrechen und die Akteure zu sensibilisieren und auf alternative Lösungsmöglichkeiten zu verpflichten. Es ist außerdem gelungen, insofern eine bessere Ausgangsposition zu schaffen, als dass ‚bis auf weiteres‘ der Verzicht auf die Schließung nunmehr der Wille der BVV ist. Aber es ist eben auch nur ein Beschluss ‚bis auf weiteres‘.“
Immerhin scheint es auf höchster Ebene ein Umdenken in Bezug auf die den Bezirken auferlegten Personalsparquoten zu geben. Die Begründung der SPD-Fraktion, die den Antrag zugunsten der Bona-Peiser-Bibliothek in der BVV eingebracht hat, lautet:
„Durch die aktuellen Überlegungen einer möglichen Korrektur der vom Land Berlin für die Landesbeschäftigten festgelegten Zielmarke von 100.000 Vollzeitstellen, besteht die Möglichkeit, neue Spielräume in der Schwerpunktsetzung für die Personalplanung zu gewinnen. Diese Chance sollte sich der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg nicht durch eine voreilige Schließung der Bona-Peiser-Bibliothek verbauen. Es soll zunächst die tatsächliche Entwicklung abgewartet werden, die zu einer neuen Ausrichtung der Personalplanung im Land Berlin und somit auch für Friedrichshain-Kreuzberg führen könnten.“
Diesen Hinweis sollten sich alle Initiativen, die für den Erhalt von weiteren Stadtteilbibliotheken oder sonstigen Kultureinrichtungen streiten, zunutze machen und von ihren Bezirksämtern angesichts von möglichen neuen Spielräumen eine Überarbeitung der Stellenstreichpläne verlangen.
———————————————————————————————————————-Gemeinsame öffentliche Sitzung der Ausschüsse für Kultur und Bildung (KuBi) und für Personal, Haushalt und Investitionen (PHI) der BVV Friedrichshain-Kreuzberg in Berlin am Di., d. 3.6.2014, 18.30 Uhr, Rathaus Kreuzberg, Yorckstraße 4-11, 1. Stock, R. 1053, zur Beratung über den Änderungsantrag der SPD und der Linkspartei zum Erhalt der Bona-Peiser-Bibliothek (s. ÄndAntrag.SPD.Linke), in Vorbereitung der BVV-Sitzung am Mi., d. 4.6.2014, 17.30 Uhr, BVV-Saal, auf der es vermutlich die entscheidende Abstimmung über das weitere Schicksal der Bona-Peiser-Bibliothek geben wird.
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Die überlangen Sommerschließungszeiten der Bona-Peiser-Bibliothek bis zum 24.8.2014 haben begonnen, trotz der BVV-Beschlüsse, die Bibliothek bis auf weiteres nicht zu schließen. Das wird zu einem deutlichen Absinken der Ausleihzahlen führen, was dann später von interessierten Kreisen wieder gern benutzt wird, um die geplante Schließung zu begründen.
Wenn Sie mit diesen langen Schließungszeiten nicht einverstanden sind, schreiben Sie
an die zuständige Stadträtin für Finanzen, Facility Management, Kultur und Weiterbildung, Jana Borkamp, Postfach 350701, 10216 Berlin.
Falls Sie es bis zum 27.6.2014 nicht geschafft haben, massenhaft Medien in der Bona-Peiser-Bibliothek auszuleihen, machen Sie es gleich, sobald die Bibliothek – hoffentlich – ab
24.8.2014 wieder geöffnet hat.
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Das Gespräch zum Thema „Bibliotheken öffnen Welten“ – wenn sie nicht geschlossen werden. Zur Situation der Stadtteilbibliotheken in Berlin, das am Samstag, d. 24.5.2014, 17-18 Uhr, im rbb Kulturradio, Sendung Zeitpunkte, gelaufen ist, kann bis zum 31.5.2014 im Internet angehört werden, unter: http://www.kulturradio.de/zum_nachhoeren/
TeilnehmerInnen des Gesprächs: Jutta Kaddatz, Stefan Rogge, Frauke Mahrt-Thomsen, Moderation: Manuela Reichart.
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Hinweis der befreundeten Bürgerinitiative BIBER: Großer Ausleih- und Aktionstag für die Johannes-Bobrowski-Bibliothek in Berlin-Friedrichshagen,  am Freitag, d., 27.6.2014, zwischen 16 und 18 Uhr, in und vor der Bibliothek in der Peter-Hille-Straße. Ziel ist es, einen Massenauflauf zu produzieren, die Bibliothek leer zu leihen und so die Absurdität des Kostenleistungsrechnungs-Prinzip zu demonstrieren.
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Am Mittwoch, d. 7.5.2014 wurde der Einwohner-Antrag gegen die Schließung der Bona-Peiser-Bibliothek offiziell der BVV Friedrichshain-Kreuzberg übergeben, mit 1.548 als gültig anerkannten Unterschriften. Durch zwei Redebeiträge begründeten die Vertrauensfrauen Frauke Mahrt-Thomsen und Marianne Hopfer noch einmal ihren Antrag. Frauke Mahrt-Thomsen forderte die Bezirksverordneten zum Schluss ihres Beitrages auf, sich nicht nur für den Erhalt der Bona-Peiser-Bbliothek einzusetzen, sondern für einen Stopp der vom Senat verordneten Sparmaßnahmen, für eine Kehrtwende in der Berliner Bibliothekspolitik. Sie forderte ein Berliner Bibliotheksgesetz, dass die Einrichtung und angemessene Ausstattung und Förderung der öffentlichen Bibliotheken zur Pflichtaufgabe der Bezirke und vor allen Dingen auch des Senats macht.
Marianne Hopfer betonte aus unmittelbarer persönlicher Erfahrung die Bedeutung der Bona-Peiser-Bibliothek für die Otto-Suhr-Siedlung, die integrative Rolle, die sie  für alle BewohnerInnen in dem sozial besonders gefährdeten Stadtteil um den Moritzplatz herum spielt.
Der Antrag wurde an die zuständigen Ausschüsse verwiesen, er wird am
Di., 13.5.14, 18 Uhr,  im Ausschuss für Kultur diskutiert und am Di., d. 20.5.14, 18 Uhr,
im Ausschuss für Personal, Haushalt und Investitionen. Tagungsort für beide Ausschüsse
ist das Rathaus Kreuzberg, Yorckstraße 4-11. 1. St., R. 1053.
Die abschließende Behandlung unseres Antrags, die Entscheidung über Wohl oder Wehe der Bona-Peiser-Bibliothek  erfolgt in der BVV-Sitzung am
Mi., d. 4.6.2014, 17.30 Uhr, ebenfalls im Rathaus Kreuzberg, BVV-Saal, 1.Stock.
Alle Sitzungen sind öffentlich, in den Ausschüssen wird interessierten Gästen in der Regel ohne Probleme Rederecht erteilt. Wir würden uns sehr freuen, wenn bei allen Sitzungen UnterstützerInnen der Bona-Peiser-Bibliothek anwesend sind und sich ggfs. auch bemerkbar machen.
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Die Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag von Bona Peiser sind sehr angenehm und erfreulich verlaufen, am 25.4.2014, konnten wir im ver.di Haus an der Köpenicker Straße eine ganze Reihe von interessierten Gästen begrüßen, die den einführenden  Worten von Roland Tremper / stellvertretender. ver.di Landesvorsitzender, von Monika Mueller / Bürgerverein Luisenstadt und Monika Fomenko / Vorsitzende der ver.di Bundesfachgruppe Archive, Bibliotheken, Dokumentationsstellen lauschten. Frauke Mahrt-Thomsen zeigte in einer durch neue Bilder und Karten ergänzten Fassung ihre Powerpoint-Präsentation zu Leben und Werk von Bona Peiser. Bei dem Nachgespräch und anschließenden Umtrunk ergaben sich manche neuen Kontakte und Verabredungen. Besonders erfreulich: Von Roland Tremper gab es die Zusage, sich für  ergänzende biographische Hinweise auf dem Straßenschild für den Bona-Peiser-Weg und für eine neue Gedenktafel vor dem Huapteingang des ver.di Gebäudes einzusetzen. Inzwischen hat er schon die Zusage der ver.di Immobilienverwaltung dafür bekommen.
Der anschließende Rundgang durch die Luisenstadt verlief über die Köpenicker Straße, vorbei an der Adalbertstraße 41, wo demnächst eine Gedenktafel für Hugo Heimann errichtet werden soll, zu Ecke Ohmstraße, wo sich ab 1909 das Verwaltungsgebäude mit Bibliothek des VWA befand, zur Rungestraße 25-27, wo ab 1908 Standort der Lesehalle der DGEK war. Dann ging es per U-Bahn zum Moritzplatz und zur Oranienstraße, wo wir bald einen Blick in die heutige Lobeckstraße werfen konnten, die bis 1962 Brandenburgstraße hieß und in deren Nummer 11 Bona Peiser von ihrem 11. Lebensjahr bis zu ihrem Tod gewohnt hat. Das Ende de Rundgangs war die Bona-Peiser-Bibliothek in der Oranienstraße 72 mit der gegenüberliegenden St.Jacobi-Kirche, deren verwunschenem Garten mit Blick auf die wunderschön umrankte Apsis wir auch noch einen Besuch abstatteten.

Der zweite Rundgang am Sa., d. 3.5.14 bekam dadurch eine besonders lebendige Note, weil er von zwei Begleiterinnen, Sabine Krusen und Frauke Mahrt-Thomsen, durchgeführt wurde, die ihr in Jahren angesammeltes Wissen über Bona Peiser und die jüdische Geschichte der Spandauer Vorstadt in lockerem Wechsel von sich geben konnten.Unser Weg führte uns von der Torstraße durch die Tucholsky-Straße , mit Blick in die Linien- und Auguststraße, zur Ecke Oranienburger Straße (Standort der Luisenschule 1838-74), zur Ziegelstraße (Luisenschule ab 1875), zur Krausnick- und Sophienstraße (Haus des Berliner Handwerkervereins, wo die Volksunterhaltungsabende der Lesehalle bis 1908 stattfanden) schließlich zum sorgfältig restaurierten Haus Neue Schönhauser Straße 13, wo sich im damaligen Hofgebäude von 1895-1902 die Lesehalle der Deutschen Gesellschaft für Ethische Kultur befand. Soweit der Jubiläumsbericht.
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Herzliche Einladung zur Feier des 150. Geburtstages von Bona Peiser!
Am 26.4.2014 jährt sich zum hundertundfünfzigsten Mal der Geburtstag von Bona Peiser,
der ersten deutschen Bibliothekarin und Namensgeberin der Stadtteilbibliothek in der Oranienstraße 72, 10969 Berlin. Wir feiern das auf Einladung von ver.di und dem Bürgerverein Luisenstadt am  Freitag, d. 25.4.2014, ab 15 Uhr, im ver.di Haus, Köpenicker Straße 30, 10179 Berlin, R. 5.12 / 5.Etage. mit Ansprachen, einem Kurzvortrag von Frauke Mahrt-Thomsen, Umtrunk und Gesprächen, u.a. über die Situation der Berliner Stadtteilbibliotheken, und einem anschließenden Stadtrundgang (ca. ab 16.30 Uhr) auf den Spuren von Bona Peiser in der Luisenstadt (BVG-Karte erforderlich), s.
http://www.buergerverein-luisenstadt.de/arbeitsgruppen-projekte/geschichte/veranstaltungen-ag-geschichte/156-fr-25-april-2014-geburtstagfeier-fuer-bona-peiser
und die Einladung von ver.di, auf deren einer Gebäudeseite seit 2004 der Bona-Peiser-Weg verläuft:

150.Geb.Einladung
Am Samstag, d. 3.5.2014, 17 Uhr, wird es einen weiteren Stadtrundgang zu den Wohn- und Arbeitsstätten Bona Peisers geben, und zwar mit Sabine Krusen in der Spandauer Vorstadt und im Scheunenviertel (auf Spendenbasis). Treffpunkt: Insel-Galerie, Torstraße 207, 10115 Berlin (U-/S-Bhf Oranienburger Tor/Straße, Bus 142, Tram 1,12).

Insel-Galerie Rundgang

Daten zu Leben und Werk von Bona Peiser können hier eingesehen werden: Lebensdaten150.Geburtstag

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Aktuelle Meldung:  Mit der Übergabe ihres formellen Einwohner-Antrags und weiteren Unterschriftenlisten am 11.4..2014 an das BVV-Büro hat die Bürgerinitiative  die Sammlung von Unterschriften gegen die Schließung der Bona-Peiser-Bibliothek bis auf weteres beendet. Falls einzelne Aktivisten noch weitere Unterschriften gesammelt haben, sollten sie diese direkt im BVV-Büro im Rathaus Kreuzberg abgeben oder dort hinsenden. Wir konzentrieren uns jetzt erstmal auf die kritische Begleitung des Verfahrens in den bezirklichen Gremien sowie die Netzwerkbildung auf überbezirklicher Ebene, um eine Initiative aufzubauen, die den Kampf gegen die Schließung von Stadtteilbibibliotheken und für eine bessere Berliner Bibliothekspolitik koordiniert und vorantreibt.

Die Bürgerinitiative hat 152 + 73 Blätter für den Einwohner-Antrag abgegeben, darauf befinden sich 1.604 Unterschriften von EinwohnerInnen des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg. Vom Bezirksamt wird nun geprüft, wieweit die UnterzeichnerInnen auch tatsächlich mit Hauptwohnsitz im Bezirk gemeldet sind, nur diese Unterschriften werden von der BVV als gültig anerkannt. Aber die notwendige Mindestanzahl von 1.000 dürften wir ganz sicher weit übertroffen haben. Insgesamt konnten wir innerhalb weniger Wochen 3.453 Unterschriften gegen die Schließung der Bona-Peiser-Bibliothek sammeln, von BürgerInnen aus allen Berliner Bezirken. Das ist ein deutliches Zeichen für das Anwachsen des Protestpotentials gegen die derzeitige Bibliothekspolitik!

Auch der Ausschuss für Kultur und Bildung ist in seiner Sitzung vom 1.4.2014 davon ausgegangen, dass wir die nötige Mindestzahl von 1000 Unterschriften für den Einwohner-Antrag erreicht haben und dass unser Antrag am  Mittwoch, d. 7.5.2014, 17.30 Uhr, der BVV offiziell bekannt gegeben wird. Voraussichtlich entscheidet die BVV in ihrer Sitzung am Mittwoch, d. 4.6.2014, 17.30 Uhr, über unseren Antrag.
Vorab wird  der Kulturausschuss – nach der endgültigen Auszählung der Unterschriften – in seiner Sitzung vom Dienstag, d. 13.5.14, 18 Uhr, ein Meinungsbild zu unserem Antrag herstellen.
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Die beiden Straßenagitationen der Bürgerinitiative gegen die Schließung der Bona-Peiser-Bibliothek am  15.2.2014 und 1.3.2014 sind erfolgreich verlaufen. Wir danken für die Unterstützung von mehreren KiezbewohnerInnen und der Künstlergruppe aus der Ritterstraße. Es wäre schön, wenn wir bei weiteren Aktionen wieder mit ihrer Hilfe rechnen können. Insgesamt haben wir jetzt ca. 600 Unterschriften für den Einwohner-Antrag gesammelt und ca. 900 für die allgemeine Unterschriftenliste. Wir rufen die BürgerInnen des Bezriks Friedrichshain-Kreuzberg und darüber hinaus alle BerlinerInnen auf: Lasst nicht zu, dass die seit fünfzig Jahren zur Otto-Suhr-Siedlung  gehörende Bona-Peiser-Bibliothek geschlossen wird, unterstützt auch den Protest gegen die Schließung von Stadtteilbibliotheken in anderen Bezirken  und engagiert Euch für die ursprünglich von der Gewerkschaft ver.di angestoßene Kampagne:
Schluss mit Willkür! Berliner Bibliotheksgesetz jetzt!

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Die nächste Präsentation der Bona-Peiser-Biographie durch Frauke Mahrt-Thomsen findet am Do., d. 20.3.2014, 19 Uhr in der Regenbogenfabrik, Lausitzer Straße 22, 10999 Berlin (U1 / Bus M29 Görlitzer Bahnhof) statt,
s.http://www.regenbogenfabrik.de/news-aktuell/bona_peiser.html.
Im Anschluss informiert die Bürgerinitiative über den Stand der Aktivitäten gegen die Schließung der Bona-Peiser- und anderer Stadtteilbibliotheken.
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Die Sitzung des Aussschusses für Kultur und Bildung der BVV Friedrichshain-Kreuzberg am 4.2.2014 in der Bona-Peiser-Bibliothek ist aus Sicht der Bürgerinitiative erfolgreich verlaufen. Der Ausschuss-Vorsitzende Lothar Jösting-Schüssler (Die Linke) würdigte die Arbeit der Bürgerinitiative gegen die Schließung der Bona-Peiser-Bibliothek und erklärte, dass ihr eine angemessene Zeit zur Verfügung gestellt werden solle, um Unterschriften für den Einwohner-Antrag zu sammeln. Dieser wird nicht bereits Ende Februar, sondern auf der BVV-Sitzung am 7.5.2014 behandelt. Die Bürgerinitiative hat jetzt mehr Zeit, um die geforderte Mindestanzahl von 1000 Unterschriften von Friedrichshain-Kreuzbergern zu sammeln. Da diese aber vor der BVV-Sitzung auf Gültigkeit überprüft sein müssen und dieser Prüfprozess im Amt 4-6 Wochen dauern kann, bitten wir alle Unterstützer und Unterstützerinnen, die Unterschriften für den Einwohner-Antrag möglichst schon Mitte, spätestens Ende März bei der Bürgerinitiative, c/o Marianne Hopfer, Oranienstraße 72, 10969 Berlin, abzugeben. Danach kann ruhig noch weitergesammelt werden, denn wir können die Unterschriften auch schubweise im BVV-Büro abgeben.

Der Ausschuss-Vorsitzende Lothar Jösting-Schüssler will in der Zwischenzeit Sondierungsgesprächen mit anderen Parteienvertretern führen, um die Möglichkeiten auszuloten, doch noch etwas zur Rettung der Bona-Peiser-Bibliothek zu tun.
Auf eine entsprechende Frage des Ausschuss-Vorsitzenden antwortete Stadträtin Jana Borkamp (Die Grünen), dass die Räume der Bona-Peiser-Bibliothek bei der Wohnungsbaugenossenschaft BeWoGe noch nicht zum 1.9.2014 gekündigt wurden, man aber die Miete für das letzte Vierteljahr schon für die Umzugskosten eingeplant habe.
Frauke Mahrt-Thomsen (ehemalige Leiterin der Bona-Peiser-Bibliothek) verteilte den Aufsatz von Klaus Duntze (Initiator der Strategien für Kreuzberg): „Bibliotheken als Kristallisationskerne der Stadtteilöffentlichkeit“  (s.u.) an die Stadträtin und die VertreterInnen der BVV-Fraktionen.
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Die Bürgerinitiative gegen die Schließung der Bona-Peiser-Bibliothek sieht sich personell im Moment nicht in der Lage, regelmäßige Sprechstunden abzuhalten, möchte aber alle InteressentImmen an dem Erhalt der Bona-Peiser- und anderer Stadtteilbibliotheken herzlich auffordern, über Telefon, E-Mail, Post und diese Website Kontakt zu uns aufzunehmen:
Marianne Hopfer, Oranienstraße 72,  4.St., 10969 Berlin, Tel. 695 673 28,
marhopmail@web.de
Frauke Mahrt-Thomsen, Torstraße 221, 10115 Berlin,Tel.2809 9004,
frauke.mahrtthomsen@gmail.com.
Insbesondere liegt uns an dem Kontakt zu  anderer Initiativen, die auch ihre jeweilige Vor-Ort-Bibliothek retten wollen. Ein erster Informations- und Meinungsaustausch hat stattgefunden mit der Bürgerintitiative BIBER (BIBliothek ERhalten, c/o Thilo Hoppe, Frank Renken, Email: jbb-erhalten@gmx.de; Mobil-Tel. 0176 388 538 12), die sich zum Ziel gesetzt hat, die Schließung der Johannes-Bobrowski-Bibliothek in Friedrichshagen (Bezirk Treptow-Köpenick) zu verhindern. Am Do, d. 6.3.2014, 16 Uhr, hat BIBER eine Protestaktion vor dem Rathaus Treptow, Neue Krugallee durchgeführt. Ein Bericht folgt.
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Weil er bedauerlicherweise weiterhin so  aktuell ist, folgt hier der Link zu dem Vortrag:
„Das Schicksal der  Bibliotheken in Berlin 1990 – 2010 oder: Geht das Bibliothekssterben weiter?“, den Frauke Mahrt-Thomsen 2011 auf dem Bibliothekstag in Berlin gehalten hat: http://www.opus-bayern.de/bib-info/volltexte//2011/1155/pdf/BerlinTeil_2.pdf.

Einführender Beitrag: ———————————————————————————————–
Wieder soll eine Berliner Stadtteilbibliotheken geschlossen werden: dieses Mal die Bona-Peiser-Bibliothek in der Oranienstraße 72 im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Ausgerechnet im 50. Jahr ihres Bestehens als kultureller Mittelpunkt der Otto-Suhr-Siedlung, im 20. Jahr ihrer Namensgebung nach Bona Peiser, der ersten deutschen Bibliothekarin, und im 150. Jahr des Geburtstages ihrer Namensgeberin will das Bezirksamt die Bibliothek schließen. Als Grund wird das ‚Konzept zum Abbau der VZÄ‘  (Vollzeitäquivalente) genannt, d.h. der vom Berliner Senat einseitig den Bezirken diktierte Stellenabbau, und außerdem wird angegeben, dass ‚im Zuge der erfolgten RFID-Einführung die Verpflichtung‘ besteht, ‚die Öffnungsstunden der Bibliotheken um 10% zu erhöhen‘ – eine Bedingung, die bei der vor einigen Jahren heftig propagierten Einführung der Radiofrequenztechnologie nicht  erwähnt wurde und die jetzt defacto den Druck erhöht,  kleinere Stadtteilbibliotheken verschwinden zu lassen.
Kritikwürdig ist auch die Art und Weise, wie die Abt. für Finanzen, Kultur und Weiterbildung des Bezriksamts Friedrichshain-Kreuzberg mit der Öffentlichkeit umgeht. Da wird schon in der Vorlage versucht, mit sprachlichen Mitteln die Schließung zu verschleiern und  von der ‚Verlagerung des Bibliotheksstandortes Bona-Peiser-Bibliothek‘  gesprochen. Gemeint ist aber kein neuer Standort innerhalb der Otto-Suhr-Siedlung, sondern die ersatzlose Übergabe der Bestände an die Zentralbibliothek in der Frankfurter Allee in Friedrichshain. Nachträgliche mündliche Korrektur der Stadträtin: die Bestände sollen auf die Bibliothek am Kottbusser Tor und die Bibliothek der Carl-von-Ossietzky-Schule in der Blücherstraße verteilt werden. In der Begründung der Vorlage wird argumentiert: ‚Die Bestände der Bona-Peiser-Bibliothek werden der Bevölkerung im Stadtteil Kreuzberg weiter zur Verfügung stehen‘ – das stimmt auch nach dieser mündlichen Korrektur nur zum Teil, denn die Bibliothek der Carl-von-Ossietzky-Schule ist nicht öffentlich zugänglich.
Der letzte Satz der Vorlage lautet: ‚Versorgungslücken für die im Kiez lebenden Einwohner wird es auf Grund der unmittelbaren Nähe der Mittelpunkt(s)bibliothek nicht geben.“  Das ist nicht wahr, denn den Bewohnerinnen und Bewohnern der Otto-Suhr-Siedlung wird ihre Vor-Ort-Bibliothek entzogen und die sowieso schon überlastete Mittelpunktbibliothek am Kottbusser Tor liegt in einem völlig anders strukturierten Stadtteil, mindestens 25 Min. Fußweg oder ca. 1,5 km entfernt, das ist für junge und alte, für physisch und psychisch nicht mehr so mobile oder in ihrem Zeitrahmen eingeschränkte BenutzerInnen zu weit. Außerdem ist es für die Bewohner/-innen der Siedlung nicht hinnehmbar, dass ihrem Stadtteil der wichtigste kommerzfreie kulturelle Treffpunkt und Kommunikationsort genommen werden soll.
In der- Sitzung des BVV-Ausschusses für Kultur und Bildung am 7.1.2014 wurde auch offenbar, wie rudimentär das Verständnis des Bezirksamtes entwickelt ist für die frühzeitige Information und Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger in Entscheidungsprozesse, von deren Auswirkungen sie unmittelbar betroffen werden. Vom Ausschussvorsitzenden befragt, wann die BürgerInnen über die beabsichtigte Schließung der Bona-Peiser-Bibliothek informiert werden sollen, antwortete die zuständige Stadträtin: ‚Nach dem BVV-Beschluss‘ – d.h., wenn die Schließungsvorlage von der BVV abgesegnet ist und jeder Protest der BürgerInnen zu spät kommt.
Aber der Widerstand wächst. Zusammen mit der ehemaligen Leiterin der Bona-Peiser-Bibliothek hat die Stadtteilbewohnerin Marianne Hopfer eine Inititative für den Erhalt der Bona-Peiser-Bibliothek gestartet, deren an alle BerlinerInnen gerichtete Unterschriftenliste man sich hier herunterladen kann:  Unterschriftenliste.BonaPeiserBibliothek.
Parallel dazu wurde die Unterschriftensammlung für einen formellen Einwohner-Antrag gestartet, der von allen BewohnerInnen im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg unterzeichnet werden kann. Wenn wir bis Ende April mindestens 1000 Unterschriften bekommen, muss die BVV sich auf ihrer Sitzung am 7.Mai 2014 mit diesem Antrag beschäftigen. Vielleicht bringt der Bürger-Protest eine Reihe von Bezirksverordneten dazu, der Schließungsvorlage nicht zuzustimmen und nach anderen Lösungen zu suchen.
Einwohner-Antrag.BonaPeiserBibliothek

Bitte die Listen ausdrucken, weitergeben und bis Mitte April an die Bürgerinitiative zurücksenden!

Die Veranstaltung am Donnerstag, d. 30.1.2014, ab 20.15 Uhr, in der Buchhandlung im Aufbau-Haus am Moritzplatz, Prinzenstraße 85, ist sehr erfolgreich verlaufen. Auf Einladung des Bürgervereins Luisenstadt (http://www.buergerverein-luisenstadt.de/) stellte Frauke Mahrt-Thomsen ihr Buch vor: Bona Peiser – Die erste deutsche Bibliothekarin.
Im Anschluss daran informierte Marianne Hopfer von der Bürgerinitiative gegen die Schließung der Bona-Peiser-Bibliothek über die bisherigen Protestmaßnahmen. Die meisten der 44 anwesenden Gäste unterzeichneten unsere Unterschriften-Listen.
Eine seit Jahren aktive Gewerkschafterin aus dem Bereich der FU-Bibliotheken informierte die Initiative anschließend über die von ver.di bereits 2011 gestartete Aktion: Schluss mit Willkür: Berliner Bibliotheksgesetz jetzt! (s. VerdiAktionBerlinerBiblGesetz)
Am 26.8.2011 überreichten Gewerkschaftler/-innen dem Regierenden Bügermeister Klaus Wowereit neben den Aktionspostkarten einen ausgearbeiteten Entwurf für ein Berliner Bibliotheksgesetz, in dem auch die Pflicht des Landes Berlin und der Bezirke festgelegt wird, die angemessene und auskömmliche Finanzierung der Bibliothekseinrichtungen sicherzustellen. Zu den von der ver.di-Bundesarbeitsgruppe Archive, Bibliotheken, Dokumentationseinrichtungen weiterentwickelten Forderungen für ein Bibliotheksgesetz
s. https://www.verdi.de/suche?ZentralSearchPortlet.global_search_input=Bibliotheksgesetz.
Von Klaus Wowereit haben die ver-di-Aktivisten nie wieder etwas gehört.
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Das bisherige Medienecho zu den Aktivitäten der Bürgerinitiative gegen die
Schließung der Bona-Peiser-Bibliothek und weiterführende Literaturhinweise:
Abendschau vom 13.1.2014:
http://www.rbb-online.de/abendschau/archiv/20140113_1930/buecherei.html
Berliner Zeitung vom 14.1.2014:  
http://www.berliner-zeitung.de/berlin/oranienstrasse-71-jaehrige-kaempft-um-ihre-kiezbibliothek,10809148,25876632.html.
Der Tagesspiegel brachte am Samstag, d. 18.1.2014 – offensichtlich angestoßen durch die Berichte über unsere Aktivitäten – eine Sonderseite zum Thema „Kiez-Büchereien oder Zentralbibliotheken?“
mit folgenden Beiträgen: „Schwarze Löcher auf der Landkarte“ Interview mit Stefan Rogge
http://www.tagesspiegel.de/berlin/interview-schwarze-loecher-auf-der-landkarte/9350982.html
und: Die Hälfte der Büchereien ist geschlossen: http://www.tagesspiegel.de/berlin/bibliotheken-in-berlin-die-e: haelfte-der-buechereien-ist-geschlossen/9350980.html
Berliner Woche, Lokalausgabe Kreuzberg, vom 20.1.2014: http://www.berliner-woche.de/nachrichten/bezirk-friedrichshain-kreuzberg/kreuzberg/artikel/34210-marianne-hopfer-will-aus-der-bibliothek-verhindern/

Einen bemerkenswerten Aufsatz über die Bedeutung, die Bibliotheken für die Bürgerinnen und Bürger haben bei der Aneignung ihres Lebensraumes, hat der Initiator der ‚Strategien für Kreuzberg‘, Klaus Duntze, bereits Ende der Neunziger Jahre geschrieben:
Klaus Duntze: Bibliotheken als Kristallisationskerne der Stadtteilöffentlichkeit,
in: Laurentius 15(1998), H.1, S. 14-17. (s. DuntzeStadtteilöffentlichkeit)

3 Kommentare zu Bona-Peiser-Bibliothek: Nicht nur die Bibliothek, sondern auch ihre Akten wurden vernichtet

  1. Kutzner sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Wir bräuchten eine Unterschriftenliste, die wir zu der Mail hängen würden.

    Mit freundlichen Grüßen

    K.Kutzner

  2. Pingback: Stadtteilbibliothek Bona Peiser « DKP Friedrichshain-Kreuzberg

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